Alles fließt. Nichts ist gewiss. Eine Woche überwiegt die Zuversicht, dann macht sich Skepsis breit. Es geht um die deutsche Konjunktur, diesen Schwächling, der nicht groß und stark werden will. Dabei wartet alle Welt auf die Nachricht: Hurra, es wächst, blüht und gedeiht! Wie gebannt starrt eine ganze Nation auf alle möglichen Indikatoren: Geschäftsklimaindex, Konsumentenverhalten, Außenhandel. Nicht zu vergessen die Konjunkturzahlen aus den USA und von den Devisenbörsen. Mal verbessert sich die Tendenz, mal verschlechtert sie sich, nicht selten widersprechen sich die Entwicklungen. Ein klares Bild, das allein ist klar, ist zur Zeit über den künftigen Konjunkturverlauf in Deutschland nicht zu gewinnen.Da verkündete in dieser Woche der Internationale Währungsfonds IWF, die Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft seien so viel versprechend wie seit zehn Jahren nicht, und davon falle natürlich auch für Deutschland einiges ab. Kurz davor war aber der vom Mannheimer Forschungsinstitut ZEW berechnete Stimmungsindex zum vierten Mal in Folge gefallen. Pessimismus war angesagt. Das DIW-Konjunkturbarometer vom 13. April nannte zwar eine Reihe positiver Punkte: Impulse bei den Investitionsgütern, Stabilität beim Handel – doch auch dort "keine durchgreifende Belebung der Konjunktur" im ersten Vierteljahr 2004. Nun hat sich der Verkauf von Lkw sehr gut angelassen, das ist in aller Regel ein Frühsignal für den nahenden Aufschwung. Und der deutsche Mittelstand, der nicht gerade für seinen Optimismus bekannt ist, meldete gute bis sehr gute Geschäfte und anhaltenden Konjunkturoptimismus.Es ist so, wie es das Bundeswirtschaftsministerium Mitte der Woche zusammen fasste: "Die wichtigsten vorlaufenden Konjunkturindikatoren haben sich in letzter Zeit uneinheitlich entwickelt." Viel mehr lässt sich nicht sagen. Höchstens so viel: Zu der am Jahresbeginn von vielen erwarteten Wachstumsrate von zwei Prozent für 2004 wird es wohl nicht reichen, aber mehr als ein Prozent könnte es schon werden. Schon am Wochenanfang werden wir hoffentlich klüger sein. Da ist der nächste ifo-Geschäftsklimaindex fällig, dazu die Frühjahrsprognose der sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute.Noch ein Punkt: Alle Voraussagen sind (besonders zur Zeit) mehr oder weniger Glückssache. Die Gruppe Allianz-Dresdner Bank, deren ökonomische Analysen einen guten Ruf haben, druckt seit Monaten ans Ende aller Prognosen einen "Vorbehalt bei Zukunftsaussagen". Das liest sich so: "So weit wir in dieser Meldung Prognosen oder Erwartungen äußern oder unsere Aussagen die Zukunft betreffen, können diese Aussagen mit (...) Risiken und Ungewissheiten verbunden sein. Die tatsächlichen Ergebnisse und Entwicklungen können daher wesentlich von den geäußerten Erwartungen und Annahmen abweichen." Und am Schluss steht der Satz: "Die Gesellschaft übernimmt keine Verpflichtungen Zukunftsaussagen zu aktualisieren." Wie weise!