Eigentlich seltsam, dass niemand Axel Weber auf der Rechnung hatte, als das große Rätselraten um die Nachfolge des zurückgetretenen Bundesbankchefs Ernst Welteke begann. Denn diese Personalentscheidung der Bundesregierung ist nur logisch: Mit dem 47-Jährigen Weber hat man schlicht den Besten ausgewählt.

Erstmals in der Geschichte der Bundesbank wird ein international anerkannter Wissenschaftler an der Spitze der Notenbank stehen. Und mit einem Präsidenten Weber an der Spitze kann die Bank, die einst die mächtigste Geldinstitution nach der amerikanischen Federal Reserve war, das weitere Abrutschen in die Bedeutungslosigkeit stoppen.

Die Idee, den parteilosen Weber in die verzwickte Personaldebatte einzubringen, hatte einer von Finanzminister Hans Eichels engsten Mitarbeitern: Jörg Asmussen. Der junge Abteilungsleiter für nationale und internationale Finanzmarkt- und Währungspolitik im Finanzministerium studierte bei Weber einst Geld- und Währungstheorie. Mit Weber, so Asmussens Kalkül, gelingt der rot-grünen Bundesregierung ein Coup: Jeglicher Verdacht, die Unabhängigkeit der Bundesbank antasten zu wollen, ist bei dieser Personalie absurd. Zudem umgeht man den inhaltlichen Konflikt, der bei einer Berufung von Bundesbank-Vize Jürgen Stark unweigerlich aufgeflammt wäre. Stark, den CDU/CSU zuletzt favorisiert hatten, gilt als geldpolitischer Hardliner und strikter Verfechter des Stabilitätspaktes – und damit als Gegner der rot-grünen Finanzpolitik. Weber dagegen hat sich nie der dogmatischen Denkschule der Bundesbank verpflichtet gefühlt.

Schon als jungen Forscher zog es ihn nach London und später an die renommierte Brookings Institution nach Washington. Dort lernte der Ökonom, auf beide Seiten der Volkswirtschaft zu schauen – auf die Angebotsseite (und damit auf notwendige Strukturreformen) und die Nachfrageseite (also die Stimulierung der Wirtschaft). So ist der 47-Jährige heute einer der wenigen bekannten deutschen Volkswirte, welche die internationale Hauptrichtung der Wissenschaft vertreten.

Wer mit Weber diskutiert, lernt ihn als unvoreingenommen und neugierig kennen. Allerdings verlangt der Geldtheoretiker immer nach Modellen und Schätzungen, die ihn überzeugen. Aus purem Glauben würde er nie wichtige Entscheidungen treffen – das ist der zweite große Unterschied zu den meisten seiner einflussreichen Kollegen. Weber arbeitet empirisch, er schaut auf die Daten und trifft dann ein abgewogenes Urteil.

Nur eine Schwachstelle hat der designierte Bundesbankpräsident: Er ist zu leise, und im Zweifel steckt er mit seinen Ansichten zurück, wenn es nicht um eines seiner Themengebiete geht, die von den internationalen Finanzmärkten, über die Emerging Markets bis zur Geld- und Währungstheorie reichen. So hat sich sein empirischer Anspruch, alle wirtschaftspolitischen Forderungen vorher zu testen, im Kreise seiner Sachverständigenkollegen bislang nicht durchsetzen können.

Als neuer Bundesbankchef muss Weber nun eine klare Agenda verfolgen: