Im Gespräch liegt alles, was die Welt überraschend verändern kann. Bei Puschkin endeten launige Plaudereien in tödlichen Duellen, bei Luther haben Disputationen die Reformation angezettelt. Am Ort unseres jüngsten Erstaunens redeten nur einige Polizeibeamte miteinander, und zwar im unwirtlichen Kosovska Mitrovica, dort, wo sonst Albaner und Serben aufeinander schlagen.

Die streitenden Völker jedoch waren gar nicht beteiligt. In die Diskussion vertieft waren Polizisten der Unmik, der UN-Verwaltung im Kosovo. Als reiche ihnen der Balkankrimi vor der Haustür nicht, sprachen sie über den Irak. In heftigen Streit gerieten dabei Jordanier und Amerikaner, obgleich die doch im Nahen Osten so gut verbündet sein sollen. Wenig später griff ein jordanischer Polizist geröteten Auges zur Waffe, amerikanische Kollegen taten es ihm gleich. Am Schluss waren der Jordanier und zwei US-Polizistinnen tot. Der Unmik-Chef verzweifelte öffentlich am unglücklichen Tod der "einsatzbereiten Profis".

Welches Mittel hilft gegen die Allzeit-Bereitschaft der internationalen Polizei im Kosovo? Wir empfehlen: 1. Ein sofortiges Fernsehverbot von Fox TV, al-Dschasira und Bayerischem Rundfunk für Polizisten. 2. Eine neue Dienstvorschrift: Wer mit der Waffe auf Streife geht, sollte nicht sprechen, schon gar nicht über den Irak. Und wer spricht, muss vorher die Waffe an der Garderobe abgeben. 3. Eine Europäisierung der Kosovo-Mission, um die Zahl der möglichen Streitthemen auf europäische Antipathien zu begrenzen. Wir wissen nicht erst seit Luther und Puschkin, dass das allemal reicht.