Ein Mann wie Rolf Eckrodt läuft vor schwierigen Aufgaben nicht davon. Der 61-jährige Manager hat für den Daimler-Konzern das brasilianische Lkw-Geschäft in Schwung gebracht. Er hat die lädierte Bahntochter Adtranz so geschickt aufpoliert, dass sie dem Bombardier-Konzern verkauft werden konnte. Und als Jürgen Schrempp vor gut drei Jahren den richtigen Mann für die Aufräumarbeiten beim neuen Partner Mitsubishi Motors Corporation (MMC) in Japan suchte, ließ sich der bewährte Haudegen noch mal in die Pflicht nehmen.

Vergangenen Freitag spätabends in Tokyo: Rolf Eckrodt arbeitet noch in seinem Büro, als er praktisch zeitgleich mit der Öffentlichkeit die überraschende Botschaft aus Stuttgart vernimmt. Es gibt kein Geld mehr für den japanischen Partner, DaimlerChrylser zieht bei der geplanten Kapitalerhöhung für Mitsubishi nicht mit. Eckrodt reicht am folgenden Montag seinen sofortigen Rücktritt ein und macht dem neuen starken Mann bei MMC, dem designierten Chairman Yoichiro Okazaki, den Weg frei.

So viel Format wie sein Mann in Japan zeigte Jürgen Schrempp nicht. Nachdem in einer turbulenten Aufsichtsratssitzung von DaimlerChrysler die Entscheidung zum Stopp aller Geldflüsse an Mitsubishi Motors fiel, schickte der Vorstandsvorsitzende seinen Finanzchef Manfred Gentz vor. Der musste per Telefon den Vertretern von Anlegern und Medien verkünden, dass weitere Investitionen nicht den Renditeansprüchen von DaimlerChrysler entsprochen hätten.

Schrempp, der vor vier Jahren in der Frankfurter Oper den Einstieg bei Mitsubishi Motors zelebrierte, war "not available", nicht verfügbar. Er war schon auf dem Weg nach China, um neue Deals auf den Weg zu bringen.

Ein Rücktritt des angeschlagenen Konzernchefs? Von wegen. Schließlich hat der Aufsichtsrat eben erst Schrempps Vertrag um drei Jahre – bis 2008 – verlängert. Und das, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar war, wie sich DaimlerChrysler in Sachen Mitsubishi verhalten würde. Es gelte, "operative Probleme zu lösen", aber man werde an der Strategie festhalten, hatte Schrempp zuvor auf der Hauptversammlung gesagt.

Beobachter kennen diese Formel schon. Bei den regelmäßigen Krisenfällen im Konzern ist sie längst Standard.

Tatsächlich war die Antwort auf die Mitsubishi-Frage bis zur entscheidenden Aufsichtsratssitzung am vergangenen Freitag offen. "Eine Stunde zuvor wusste keiner der Teilnehmer, wie das ausgehen würde", sagt ein Insider.