Nachrichten von der Heimatfront erhielt ich in meinen Pariser Lehrjahren Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre durch Enno Patalas' Zeitschrift Filmkritik. Darin las ich auch zum ersten Mal von den Oberhausener Kurzfilmtagen. Filmtitel wie Brutalität in Stein prägten sich mir ein, die Namen, die dazugehörten, Peter Schamoni und Alexander Kluge.

Aber als Assi von Jean-Pierre Melville war das meiner damaligen Welt sehr fern. Und dann kam das Oberhausener Manifest. Wieder war die Überraschung über den Ort des Ursprungs fast größer als die über den Inhalt. Ausgerechnet aus dem Ruhrgebiet sollte die Erneuerung des deutschen Films kommen? Patalas, Joe Hembus und dann die Straubs klärten mich bei meinem ersten Aufenthalt in München (als Alain Resnais' Assi in Letztes Jahr in Marienbad) über die Hintergründe auf. Und zwar so überzeugend, dass ich schließlich von Paris nach München zog - alles nur wegen des Manifests und Oberhausen. Das damit schuld ist, dass ich deutscher Filmemacher wurde, aber an einen Aufenthalt dort kann ich mich nicht erinnern. Vielleicht wird es ihn in späteren Jahren geben, sozusagen als Pilger auf einer Wallfahrt an den Ort eines Textes, der mein Leben verändert hat - ohne dass ich in irgendeiner Weise zu seinen geistigen Vätern zähle. Glückwunsch zum 50. der Kurzfilmtage!