Vor einigen Jahren ging es dem Sportartikelhersteller Puma so ähnlich, wie es heute ganz Deutschland geht: Es lief nicht mehr viel. Die Umsätze waren schlecht, neue Jobs nicht in Sicht, der ganze Betrieb war ineffizient. Also betätigte sich das Management als Reformer. Von nun an sparte man eisern, Arbeitsplätze wurden abgebaut, Ärmel hochgekrempelt. Inzwischen läuft der Laden wieder.

Warum funktioniert das in Deutschland nicht?

Seit bald vier Jahren steckt das Land in der Krise. Um zu sparen, haben Bund, Länder und Kommunen die Investitionsausgaben gekürzt und in den vergangenen Jahren 250000 Stellen abgebaut, während praktisch alle anderen Staaten der Eurozone zusätzliches Personal einstellten. Transferleistungen wurden gekürzt oder eingefroren, gesetzlich versicherte Patienten müssen für Arztbesuche und Medikamente mehr Geld hinlegen. Die Löhne sind inflationsbereinigt gesunken, die Arbeitszeiten pro Kopf gestiegen. Trotzdem läuft der Laden nicht.

Am Dienstag dieser Woche haben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute zum vierten Mal in Folge in ihrer Frühjahrsprognose die Vorhersage vom vorangegangenen Herbst nach unten korrigiert, das gab es nie zuvor. Die Weltwirtschaft boomt, in Deutschland aber erwarten die hiesigen Forscher für die Jahre 2004 und 2005 nur noch ein Wachstum von je 1,5 Prozent. Deutlicher gesagt: Auch in diesem und im kommenden Jahr werden kaum neue Jobs entstehen und wieder Zehntausende Unternehmen Pleite gehen.

Warum geht es trotz allen Gürtel-Engerschnallens nicht aufwärts?

Weil die Bundesrepublik gerade Bekanntschaft mit einer ökonomischen Binsenweisheit macht: Ein Unternehmen kann gesunden, indem es seine Kosten senkt, eine Volkswirtschaft nicht. Denn in einer Volkswirtschaft sind die Kosten der einen immer die Einkommen der anderen.

Nirgendwo wird dies deutlicher als beim Blick auf die Exportstatistik. Wann immer Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten in eine Rezession rutschte, haben die Ausfuhren wie mit einem Keilriemen den neuen Aufschwung in Gang gesetzt. Franzosen, Amerikaner und Italiener kauften wieder vermehrt deutsche Produkte, die deutschen Exporteure stellten neue Arbeitskräfte ein, die Wirtschaft wuchs wieder. So war es früher.