die zeit: Ist es in jedem Fall illegal, Musik aus Internet-Tauschbörsen herunterzuladen?

Pascal Oberndörfer: Das kann heute noch niemand eindeutig beantworten. Im neuen Urheberrecht heißt es: Kopien für private Zwecke sind nur legal, wenn die Vorlage nicht offensichtlich rechtswidrig hergestellt wurde. Es ist aber nicht klar, ob ein Tauschbörsen-Nutzer erkennen kann, dass die angebotenen Dateien illegal hergestellt sind. Das müssen jetzt die Gerichte entscheiden.

Falls es nicht offensichtlich ist, gilt die heruntergeladene Musik als Privatkopie, und die ist erlaubt. Strafbar macht sich aber, wer Musikstücke in Tauschbörsen zum Download anbietet. Das Recht dazu haben nur die Urheber.

zeit: Darf man Musik von einer gekauften CD brennen oder auf einen MP3-Player kopieren?

Oberndörfer: Grundsätzlich ja. Es ist erlaubt, von urheberrechtlich geschützten Werken für private Zwecke Kopien anzufertigen, also für sich selbst, Freunde und Familie. Aber daran könnte sich bald etwas ändern: Die Industrie fordert, das Recht auf Privatkopie auf analoge Musikkassetten zu beschränken. Dann wäre es nicht mehr möglich, Musik legal von einer CD auf MP3-Player zu übertragen. Sinnvoll wäre, die Regelungen aufzufächern: In der Wissenschaft sollten Privatkopien möglich sein, bei Musik nicht unbedingt, bei Spielfilmen gar nicht.

zeit: Wie sieht es aus, wenn als Vorlage eine kopiergeschützte CD oder Musikdatei dient?

Oberndörfer: Im Prinzip darf niemand den Kopierschutz umgehen - das ist laut neuem Urheberrecht verboten. Wer es trotzdem tut, bleibt straffrei, solange er die Kopien nur zu privaten Zwecken nutzt. Hier prallen das Recht auf Privatkopie und das Verbot des Kopierschutz-Hackens aufeinander. Wer aber ein Programm zum Umgehen eines Kopierschutzes entwickelt und verkauft, macht sich auf jeden Fall strafbar.