Ob Reform der Professorenbesoldung, effizientere Managementstrukturen oder Studentenauswahl: Es gibt kaum eine Großbaustelle in der sanierungsbedürftigen Hochschullandschaft Deutschland, an der das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) nicht mitwerkelt oder für die es, auch ungefragt, den Bauplan liefert. Seit 1994 profiliert sich das CHE in Gütersloh als wichtigster Think Tank für Neuerungen in der Hochschulpolitik. Wenn den Hamburger Hochschulen eine Radikalkur in Sachen Effizienz verabreicht werden soll, in Lüneburg eine Fachhochschule und eine Universität fusionieren oder die baden-württembergischen Universitäten sich zu einem Online-Campus vernetzen – stets ist der CHE-Leiter Detlef Müller-Böling mit dabei. Heimlicher Bildungsminister hat man den ehemaligen Professor für empirische Sozialforschung deshalb genannt – ein Titel, der zur CHE-Gründung nicht zu erwarten war.

Als Müller-Böling gemeinsam mit der Hochschulrektorenkonferenz – neben der Bertelsmann Stiftung der zweite Träger des CHE – das Projekt vorstellte, war die Skepsis groß: "Was wollen die denn?, fragten sich viele. Und dann noch mit privatem Geld!", erinnert sich der CHE-Leiter. Heute weiß jeder, was Müller-Böling und seine Mitstreiter wollen: Wettbewerb zwischen den Hochschulen, Studiengebühren, Abschaffung der ZVS, kurzum: "ein anderes Hochschulsystem".

Ein gutes Stück ist das CHE damit vorangekommen. Ohne die Gütersloher Reformmaschine, die von der Bertelsmann Stiftung mit rund 2,4 Millionen Euro pro Jahr finanziert wird, hätte sich in der Hochschullandschaft kaum so viel bewegt. Besonders das Hochschulranking hat dazu beigetragen. "Früher hieß es, man kann die Leistung der Hochschulen nicht messen. Dieses Dogma haben wir durchbrochen", sagt Müller-Böling.

Zehn Jahre später haben viele CHE-Forderungen ihren provokanten Reiz verloren, sind zum Allgemeingut geworden. Das CHE sieht sich heute weniger als Antreiber denn als Wachhund, der acht gibt, "dass Reformfehler verhindert werden", sagt Müller-Böling. Zwar wurde das CHE von der Bertelsmann Stiftung ursprünglich nur für zehn Jahre gegründet. Doch von Schließung redet niemand. In der Bildungslandschaft ist das CHE eine feste Größe. Und manch einer glaube schon, dass das Bundesbildungsministerium sein Institut finanziere, berichtet Müller-Böling. "Das ist dann doch ein Schock." spi