SchifffahrtSchippern ohne Pappe

Vom 1. Mai an sind viele deutsche Gewässer führerscheinfrei befahrbar

In den Niederlanden kann man es, in Frankreich kann man es, und ab Saisonbeginn wird es auch auf ausgewählten Wassertrassen in Deutschland möglich sein: Hausbootfahren ohne Führerschein. Nach einem dreijährigen Modellversuch dürfen vom 1. Mai an Freizeitkapitäne fast alle Binnengewässer in Mecklenburg-Vorpommern sowie viele attraktive Wasserwege in Brandenburg ohne »Pappe« befahren. Nach einer dreistündigen theoretischen und praktischen Einweisung an der Verleihstation erwirbt der Schiffsführer für die Dauer des Bootsurlaubs den so genannten Charterschein.

»Wir bieten Camping auf dem Wasser mit viel Spaß für wenig Geld. Erfahrungen im Bootfahren werden nicht vorausgesetzt. Wie man unsere Schiffchen steuert, zeigen wir den Gästen«, sagt Hausboot-Vercharterer Bernd Scheiter von der Firma Woterfitz aus Rechlin an der Müritz. Seine Voyager-Hausboote haben Schlafplätze für vier Personen, einen Salon inklusive Küchenzeile sowie eine Bordtoilette. Der Raum ist vergleichbar mit dem eines Reisemobils – nur dass man ringsum Seeblick hat. Der lokale Anbieter Woterfitz ( www.woterfitz.de ), der seine Schiffe in Rechlin selbst baut, vermietet das günstigste Voyager-Hausboot, das obendrein von Neueinsteigern sehr leicht zu fahren ist, ab 750 Euro pro Woche, Kraftstoff und Endreinigung inbegriffen.

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Aber auch die großen europäischen Hausboot-Vermieter haben längst Teile ihrer Flotten zur Mecklenburgischen Seenplatte verschifft. Wer es sich zutraut, ein größeres Schiff zu steuern, kann dieses bei Kuhnle-Tours (Tel. 0711/164820, www.kuhnle-tours.de ), Locaboat (Tel. 0761/2073737 www.locaboat.de ) oder Nicols (Tel. 07851/8851980, www.nicols.de ) mieten. Nach dem neuen Gesetz des Bundesverkehrsministeriums dürfen Kapitäne ohne Führerschein Schiffe bis 15 Meter Länge mit maximal zwölf Personen an Bord steuern. Die Preise für diese Boote können allerdings je nach Saison weit über 3000 Euro liegen.

Die Höchstgeschwindigkeit ist auf zwölf Kilometer in der Stunde begrenzt. Auf großen Wasserflächen wie dem Schweriner See, dem Plauer See, dem Kölpinsee, dem Fleesensee und der Müritz besteht Rettungswestenpflicht, und ab Windstärke vier Beaufort dürfen Schiffsführer ohne Schein nicht mehr auf See. Die ausführlichen Erläuterungen zu dem Gesetz findet man unter www.elwis.de/Freizeitschifffahrt , Stichwort: Sportbootvermietungsordnung.

Die schönsten Regionen für Urlaubskapitäne sind die Müritz-Elde-Wasserstraße, die von Dömitz an der Elbe durch Westmecklenburg und die großen Seen führt und am südlichen Ausläufer der Müritz endet, sowie die sich anschließenden Mecklenburger Kleinseen. Dort haben auch die meisten Hausboot-Vercharterer ihre Stützpunkte. Die Tour geht durch eine abwechslungsreiche Landschaft aus Flüssen, Kanälen und Seen mit Badewasserqualität, und es gibt reichlich Liegeplätze – von der komfortablen Marina über den kleinen Anleger vor einer Kneipe bis hin zur einsamen Ankerbucht. In den Buchverlagen Delius Klasing und Edition Maritim ( www.delius-klasing.de ) sind zahlreiche Gewässerkarten und nautische Reiseführer über die Binnengewässer in Mecklenburg erschienen.

Im nördlichen Brandenburg gilt die neue Regelung unter anderem für die Rheinsberger Gewässer sowie für die Obere Havel-Wasserstraße ab Liebenwalde nach Norden in Richtung Mecklenburg-Vorpommern. Zusätzlich kann man im Südosten Brandenburgs mehrere kleinere Wasserstraßen führerscheinfrei befahren, zum Beispiel Teile der Dahme-Wasserstraße bis einschließlich Scharmützelsee und Teupitzer See. In den alten Bundesländern sind nur Abschnitte der Flüsse Saar und Lahn von der neuen Regelung begünstigt. Auf allen anderen Binnengewässern in Deutschland gilt weiterhin die Führerscheinpflicht für Sportboote mit einer Motorleistung ab 5 PS.

 
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