Die schlechte Nachricht aus San Francisco flatterte zum Wochenbeginn elf amerikanischen Konzernchefs auf den Tisch: Der kalifornische Pensionsfonds Calpers startet eine Kampagne gegen ihre Unternehmen. Calpers – mit 166 Milliarden Dollar Anlagevermögen der größte Pensionsfonds in den USA – lehnt die Wiederernennung etlicher Vorstände ab, bei Coca-Cola genauso wie beim Computersoftware-Hersteller Adobe und dem Windelproduzenten Kimberly-Clark.

Was der Daimler-Chef Jürgen Schrempp gerade in Deutschland zu hören bekommt – vernichtende Kritik an seiner Unternehmensführung vonseiten der Fondsgesellschaften und anderer institutioneller Anleger –, ist an den amerikanischen Finanzmärkten längst Routine. Seit der Skandalwelle um Enron und Co sehen sich große Fonds wie Calpers erst recht in der Rolle als Wächter einer einwandfreien Geschäftsführung. "Ich habe eine aktive Rolle im Vorantreiben von Unternehmensreformen übernommen", verkündete 2002 Phil Angelides, seinerzeit kalifornischer Finanzminister und oberster Herr über das Calpers-Vermögen.

Institutionelle Investoren halten seit 1996 mehr als 50 Prozent des amerikanischen Aktienkapitals – immer nur ein paar Prozent pro Unternehmen, doch aktive Fonds wie Calpers haben sich erfolgreich als Wortführer etabliert, die "die Herde" (Originalton Calpers) beeinflussen. Längst hat sich aber herausgestellt, wie tief auch institutionelle Investoren in Interessenkonflikten stecken. Private Pensionsfonds amerikanischer Konzerne sind oft mit ihrem eigenen Management verbandelt – von Unabhängigkeit keine Spur.

Auch öffentlich verwaltete Fonds wie Calpers stehen unter erheblichen Einflüssen. Weil ihre Fondsanleger regional gebündelt sind, haben sie gelegentlich ein Eigeninteresse an Investitionen und Arbeitsplätzen in "ihrer" Region – auch wenn es dem betroffenen Konzern nichts nützt. Regionale Politiker üben bisweilen direkten Einfluss auf Investitionsentscheidungen aus, "manchmal mit desaströsen wirtschaftlichen Folgen", urteilt Roberta Romana, Finanzmarktexpertin an der Yale Law School in New Haven.

Doch für Unternehmen wie DaimlerChrysler könnte das wenigstens mal ein Grund zum Aufatmen sein: Jobsicherung in der US-Autoindustrie ist zumindest bis zur Wahl eine Priorität amerikanischer Politik.