Das Verhältnis eines Unternehmens zu seiner Bank hat viel Ähnlichkeit mit einer Ehe. Das Unternehmen bleibt treu, auch wenn es nicht immer glücklich ist mit dem Partner seiner Wahl. Und es vertuscht, so gut es geht, wenn der es im Stich lässt. Schließlich haben viele "tierische Angst, von der Kunden- auf die Querulantenliste zu kommen", weiß Hanns Hesse, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), aus vielen Gesprächen zum Thema. Der Klage auch des VDMA über gravierende Schwierigkeiten des Mittelstands, Kredite zu bekommen, mangelte es deshalb bislang am konkreten Beweis.

Das ist, dank des knorrigen VDMA-Präsidenten Diether Klingelnberg, neuerdings anders. Gestützt auf ein Unternehmen, das seit sieben Generationen existiert, bei 200 Millionen Euro Umsatz ein Eigenkapital von rund 100 Millionen Euro aufweist und "älter ist als die Deutsche Bank", hat der es nämlich gewagt, das Gesetz des Schweigens endlich einmal zu brechen. In einem Pressegespräch, bei dem der Verband unter anderem das Finanzierungsproblem von Mittelständlern beklagte, verkündete Klingelnberg, die Deutsche Bank habe auch ihm plötzlich die Kreditlinien gekürzt. Und das trotz seiner überdurchschnittlich hohen Eigenkapitalquote. So wie ihm, das wisse er, ergehe es vielen Mitgliedsfirmen seines Verbandes, die trotz hoher Eigenkapitalquote und guter Geschäftsaussichten Schwierigkeiten hätten, Kredite zu bekommen.

Solche Erfahrungen mit knauserigen Banken sind jedoch nicht auf die Maschinenbauer beschränkt. Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bei 21000 Firmen haben bei einem Drittel der kleinen und mittleren Unternehmen die Kreditsorgen zugenommen. Viele Unternehmen könnten ihre Aufträge wegen fehlender Finanzierung nicht abarbeiten, hatte bereits Anfang April auch der Chef der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Hans W. Reich, Alarm geschlagen. Schließlich könnte der Aufschwung, auf den Politik und Wirtschaft so sehnsüchtig warten, bereits im Keim ersticken, wenn die Banken den Geldhahn nicht großzügiger öffnen.

Zwar schieben Wissenschaftler und Unternehmensberater gerne dem Mittelstand selbst die Schuld an seiner Finanzierungsmisere in die Schuhe. Die Unternehmer seien nicht innovativ genug, sie müssten vermehrt andere Finanzierungsinstrumente nutzen, anstatt immer nur auf Bankkredite zu rekurieren, kritisieren sie. Das Problem dabei aber macht Praktiker Klingelnberg deutlich: "Der normale Mittelständler kommt doch an die ganzen schönen Finanzierungsformen, die sich Investmentbanker so ausdenken, gar nicht ran." Das sieht der Direktor der Abteilung Volkswirtschaft, EU-Politik und internationale Beziehungen beim Bundesverband deutscher Banken, Karl Knappe genauso: "Für den Mittelstand gibt es eigentlich keine wirkliche Alternative zum Bankkredit."

So bleibt unter anderem das viel beschworene Anzapfen des Kapitalmarktes für viele Mittelständler reine Utopie. Die Börsenemission von Anleihen oder Genussscheinen beispielsweise lohnt sich nur, wenn das Volumen mindestens im mittleren bis oberen zweistelligen Millionenbereich liegt. Wenn etwa die Anleihe des Schmierstoff-Spezialisten Fuchs Petrolub als Paradebeispiel für eine erfolgreiche mittelständische Anleihenemission gefeiert wird, sollte dazu gesagt werden, dass das Unternehmen ein Anleihevolumen von 100 Millionen Euro platzierte und im Jahr der Emission einen Umsatz von fast einer Milliarde Euro erzielte. Auch hinter der derzeit populären Zimbo-Anleihe steckt ein Nahrungsmittelkonzern mit 3100 Mitarbeitern und 600 Millionen Euro Umsatz – nicht unbedingt der typische Mittelständler.

Wer jedoch außerhalb der Börse mit Schuldverschreibungen oder Genussscheinen einstellige Millionenbeträge hereinholen will, kann allenfalls auf die Loyalität von Mitarbeitern oder Geschäftspartnern setzen. Zum existenzgefährdenden Flop hingegen kann die Privatemission über Finanzvermittler geraten, wenn das eingeworbene Kapital möglicherweise nicht einmal die hohen Kosten für Verkaufsprospekte, Emissionsberatung und Vertriebsaufwendungen deckt. Diese Erfahrung hat ein Kunststoff verarbeitender Betrieb in Bayern machen müssen, der die Erweiterung seiner Produktion über die Emission von Aktien durch einen Finanzvertrieb finanzieren wollte. Obwohl das Unternehmen solide wirtschaftete und Gewinne vorweisen konnte, akquirierten die Verkäufer statt der vollmundig versprochenen acht Millionen Euro nicht einmal ein Zehntel davon an neuem Kapital. Um die Finanzierung des Unternehmens zu retten, musste der Hauptaktionär mit seinem Privatvermögen einspringen.

Von den wachsenden Problemen vieler Mittelständler, Kredite zu bekommen, profitieren zunehmend die schwarzen Schafe der Finanzbranche. "Unseriöse Kredithaie haben inzwischen kleine und mittelständische Unternehmen als Zielgruppe entdeckt", sagt Klaus Nieding, Rechtsanwalt und Finanzexperte aus Frankfurt. Die Abkassierer schlagen Kapital aus der Tatsache, dass vor allem die Inhaber von Familienbetrieben auch dann nicht aufgeben wollen, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen und die Bank den Geldhahn bereits zugedreht hat.