In Fragen des Klimaschutzes konnte US-Präsident Bush bislang stoisch am internationalen Konsens vorbeiregieren – das Kyoto-Protokoll haben die USA nicht unterzeichnet, die Umweltverbände im eigenen Land stehen am politischen Rand, und selbst eine Studie aus dem Pentagon, die vor den Folgen des Treibhauseffekts warnte, hinterließ keine Spuren in der Politik des Weißen Hauses.

Am 27. Mai kommt weltweit ein Spielfilm des deutschen Regisseurs Roland Emmerich in die Kinos, der den Klimawandel in den düstersten Farben malt, und schon werden die ersten Regierungsstellen nervös. Die Weltraumagentur Nasa jedenfalls verbot ihren Mitarbeitern, der Presse gegenüber zum Inhalt des Films Stellung zu nehmen. "Alle Medien, die über den Unterschied zwischen Science-Fiction und wissenschaftlichen Fakten bezüglich des Klimawandels diskutieren wollen", heißt es in der internen Rund-Mail vom 1. April, die der New York Times zugespielt wurde, "werden Individuen und Organisationen um Kommentare bitten müssen, die nicht mit der Nasa verbunden sind."

Emmerich, bekannt für schlicht gestrickte Katastrophen-Streifen, lässt in The Day After Tomorrow die USA im Chaos einer neuen Eiszeit versinken, die aus dramaturgischen Gründen nicht im Lauf von Jahrhunderten oder Jahrzehnten, sondern binnen weniger Tage über das Land hereinbricht. In Independence Day explodierte spektakulär das Weiße Haus, nun vergreift sich Emmerich an einer weiteren amerikanischen Ikone und lässt eine Flutwelle die Freiheitsstatue ins Meer spülen.

Das alles ist zwar wissenschaftlicher Unfug, dafür sind die aktuellen politischen Anspielungen deutlich: In dem Kinoschocker ist ein Paläoklimatologe, gespielt von Dennis Quaid, dem Klimawandel auf der Spur – just dieser wissenschaftlichen Disziplin hat die Bush-Regierung gerade eine schmerzhafte Budgetkürzung verordnet. Und der Film-Vizepräsident, ein Hardliner, der bis zuletzt die Katastrophe leugnet, trägt deutlich die Züge von Bushs Stellvertreter Dick Cheney.

Emmerich, der bei Independence Day noch die Amerikaner in ihrem Patriotismus zu übertrumpfen versuchte, gibt sich nun ganz umweltbewegt, der Film wird sogar "kohlenstoffneutral" produziert – es werden Bäumchen gepflanzt, die das bei der Produktion ausgestoßene CO2 wieder kompensieren sollen.

The Day After Tomorrow ist nicht der letzte Film, der dem Präsidenten im Wahljahr ungelegen kommen könnte: Der Streifen Silver City wird im Herbst die dunklen Machenschaften einer (fiktiven) konservativen Politiker-Dynastie beleuchten, und rechtzeitig zur Wahl kommt eine Dokumentation des Oscar-Gewinners Michael Moore über die Geschäftsbeziehung zwischen den Vätern von George W. Bush und Osama bin Laden in die Kinos. Vielleicht bringt Hollywood den Präsidenten in ärgere Bedrängnis als der politische Gegner. Christoph Drösser