Wer interessiert sich ernsthaft für die ruckartigen Wendungen eines mittelmäßigen Gerichtsthrillers? Will man wirklich so genau wissen, ob ein zwielichtiger Waffenhersteller oder die Witwe eines Amokopfers als Sieger aus einem sumpfigen Geschworenenprozess hervorgeht? Überhaupt, haben wir nicht langsam genug von John Grishams gutmenschelnder Kapitalismus- und Sozialkritik, die sich wie eine Käseglocke über jede Story stülpt?

Andererseits gelingt es Gary Fleders Das Urteil - Jeder ist käuflich, drei großartige Schauspieler in einen Fall zu verwickeln, bei dem mal wieder die Integrität des amerikanischen Justizsystems auf dem Spiel steht. Gene Hackman, der sich seit den Siebzigern eine ganze Phänomenologie amerikanischer Fieslinge erarbeitet hat, gibt den sardonischen Geschworenenmanipulator. Von der Waffenlobby bezahlt, umgeben von allerlei Überwachungsgimmicks, betreibt er die Korruption als eine Art Hochleistungssport. In der Rolle des engagierten Anwalts verkörpert Dustin Hoffman das Gewissen Amerikas, ringt sich selbst als knitteriges Klischee erstaunliche Glaubwürdigkeit ab. Und John Cusack, the kid, räkelt sich lässig in der Ambivalenz des Geschworenen, der beiden Seiten seine Bestechlichkeit andient. So unterwandert das Casting letztlich die wohlfeile Botschaft.

Schließlich ist man kaum geneigt, sich über eine verderbte Welt zu echauffieren, deren coole Käuflichkeit immerhin imstande ist, Hoffman, Hackman und Cusack einen Kinofilm lang in den Gerichtssaal zu locken.