Ganz unten, das ist der Ort, wo er herkam und zeitlebens hingehörte. Wo das Leben Schinderei ist, wo die Leute zum Menschsein selten Gelegenheit haben, wo der Sohn die Mutter bestiehlt und der Freund den Freund verprügelt, dort kannte Hubert Selby, geboren am 23. Juli 1928 in Brooklyn, sich aus. Mit 15 schuftete er auf den Docks, mit 18 bekam er Tbc. Soff, kokste, litt an Hunger und Einsamkeit. Als er 26 war, erschien sein erster Roman und wurde ein Welterfolg. Last Exit Brooklyn hieß die kalte Trauerrede auf die Verdammten dieser Erde, auf den Menschenmüll, der sich an den Rändern der Zivilisation auftürmt. Selby beschrieb den amerikanischen Albtraum brutaler als Norman Mailer oder Tennessee Williams. Er besaß mehr Sinn fürs Psychopathologische als die europäischen Naturalisten, und das Selbstmitleid der Beat-Generation war ihm fremd. Ohne seine Bücher (Mauern, Der Dämon, Requiem für einen Traum) sind Bret Easton Ellis oder Nick McDonnell, die neuen Chronisten der moralischen Verelendung, nicht denkbar. "Ich bin schon tot auf die Welt gekommen", hat Hubert Selby einmal gesagt. Jetzt ist er in Los Angeles gestorben.