DIE ZEIT: Herr Lachenmann, unter den Komponisten der Ernsten Musik geht die Sorge um, dass sie mehr denn je von der Popmusik an den Rand gedrängt werden. Ist diese Sorge berechtigt?

Helmut Lachenmann: Ja. Bei der Frage, was sich in der Kultur rechnet, wird von den Entscheidungsträgern immer öfter die Unterhaltung gegen die Kunst ins Feld geführt. Man verkennt, dass es sich dabei um völlig unterschiedliche Erlebnisbereiche handelt, die von ihrem Selbstverständnis her und ihrer Rolle in der Gesellschaft nichts miteinander zu tun haben.

ZEIT: Sie fürchten, dass kein Unterschied mehr zwischen Kunst und Pop gemacht wird?

Lachenmann: Wenn ein fast so verdienter wie verdienender Pop-Titan sich mit seinen Produkten schamlos an die Seite der großen Meister stellt, dann schwimmt er auf einer Welle der Oberflächlichkeit, die mich abstößt.

ZEIT: Sie meinen Dieter Bohlen, der in einer Zeitschrift des Deutschen Musikrats zitiert wird mit dem Satz: "Bach und Beethoven würden heute die gleiche Musik machen wie ein Bohlen. Umgekehrt gilt das für mich natürlich auch."

Lachenmann: Derlei Sottisen sind Entertainment pur, es darf gelacht werden.

ZEIT: Aber die Impertinenz ärgert Sie doch.