DIE ZEIT: Professor Rauner, die Betriebe beklagen den Mangel an Fachkräften – dennoch bleiben dieses Jahr wieder 25000 junge Leute ohne Lehrstelle. Nur ein Viertel der Betriebe bildet überhaupt aus. Warum unternehmen die Firmenchefs nichts?

Felix RAUNER: Ihnen Böswilligkeit zu unterstellen ist großer Quatsch. Entweder können sie nicht ausbilden, oder sie dürfen es nicht.

ZEIT: Wie das?

RAUNER: Das liegt am veralteten Berufsbildungsgesetz. Ein Industriemechaniker etwa muss demnach lernen, Zahnräder zu fräsen und in ein Getriebe einzubauen. In den letzten Jahren aber haben sich viele Betriebe unter dem Druck der Konkurrenz stark spezialisiert. Der eine fräst Teile, der andere baut Getriebe. Ein moderner Automobilzulieferer, bei dem die jungen Leute viel lernen könnten – und von diesen Betrieben haben wir sehr viele –, darf heute gar nicht mehr ausbilden, weil er nur noch die Hälfte dessen abdeckt, was für einen modernen Beruf verlangt wird.

ZEIT: Nun will die SPD den Mangel an Lehrstellen per Ausbildungsabgabe beheben. Kann das gelingen?

RAUNER: Dieser Vorschlag hat nur eine gute Seite: Er bringt das wichtige Thema Ausbildung in der Rangliste der öffentlichen Aufmerksamkeit nach vorn. In der Sache aber wäre die Abgabe in jeder Hinsicht kontraproduktiv. Sie belohnt und bestraft die Falschen. Sie verstärkt die Arbeitslosigkeit. Und sie verschärft die Krise der Berufsbildung.

ZEIT: Der Reihe nach: Wieso belohnt sie die Falschen?