Sushi und Sashimi, Suppen, die nach Kokosmilch und Chili schmecken, grüner Tee und auch Entspannung auf Tatamis aus Reisstroh und Schilfgeflecht erfreuen sich in Europa zunehmender Beliebtheit. Und auch das Interesse an ostasiatischen Kunstobjekten wächst. Allerdings gibt es bislang nur ein einziges Auktionshaus in Deutschland, das auf Fernost spezialisiert ist, Klefisch in Köln. Bei einer Einsteigerauktion am vorigen Wochenende – mit Preisen bis zu 500 Euro – griff die junge Klientel beherzt zu bei Holzschnitten, Netsukes, Schalen, Bechern und Lackarbeiten. Großes Interesse bestand auch an Büchern, die einem helfen, sich in das trotz Globalisierung für manchen immer noch exotische Gebiet einzuarbeiten. So mag man ein Rollbild zwar attraktiv finden, aber um es jenseits des Dekorativen lesen und verstehen zu können, muss man ein bisschen mehr wissen.

Seit 31 Jahren führt Trudel Klefisch ihr Haus am Rhein, dementsprechend groß ist ihre Erfahrung. Vor allem durch kontinuierliche Arbeit hat sich das Unternehmen viel Ansehen erworben – und wurde deshalb sogar als Mitglied in der Gesellschaft des Zürcher Rietberg-Museums, der Tokyo Asia Society in den USA und der Asiatic Society of Japan in Tokyo aufgenommen. Vertrauen in seriöse Händler ist auch bei fernöstlichen Kunstwerken eine Voraussetzung für den Kauf, ganz gleich, ob es sich um Objekte für ein paar hundert Euro oder viele Tausende handelt. Über Hongkong werden Stücke ausgeführt, denen der Laie nicht ansehen kann, ob sie alt, echt, nachgemacht oder gestohlen sind, was auch frag- oder glaubwürdige Zertifikate kaum klären können. "Es gibt mindestens noch zwanzig kaiserliche Gräber in China und weitere Tausende von Fundstätten, die das Ziel von Raubgrabungen sind", sagt Trudel Klefisch und lässt von solcher Ware die Finger. Sie konzentriert sich auf Objekte aus europäischen Sammlungen, die zumeist vom 19. Jahrhundert an in Frankreich, Italien, Polen, England und Deutschland aufgebaut wurden und die manchmal rare Einzelstücke veräußern oder auch ganz aufgelöst werden.

So konnte sie im Laufe der Zeit die namhaften Kollektionen Falkove aus den USA, da Silva aus Den Haag, Andersen aus Kopenhagen und Kalft aus den Niederlanden versteigern. Auch die Käuferklientel stammt hauptsächlich aus dem "alten Europa", aber selbst für die preiswerten Objekte der jüngsten Sonderauktionen Ende April lagen schriftliche Gebote aus Amerika und Russland vor.

Immer wieder scheinen Auktionsberichte zu suggerieren, dass viele der asiatischen Kunstobjekte aus ihrem Heimatland zurückgekauft werden. "In China ist in jüngster Zeit sehr viel Geld verdient worden", sagt die Kunsthändlerin, "aber das Interesse ist dort nur auf Dinge von kaiserlicher Provenienz fixiert, dann spielen Preise überhaupt keine Rolle mehr, und die chinesische Klientel verhält sich so wie die neureichen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg." Während Rückkäufe aus Japan derzeit konjunkturgemäß eher verhalten sind, wachsen neue Käuferschichten aus dem prosperierenden Russland nach.

Hier wie da mangelt es jedoch an profunden Kenntnissen, und der knappe Nachwuchs gebildeter und gut informierter Sammler will gefördert werden. Bevor Trudel Klefisch sich als 28-Jährige im Jahr 1972 auf eigene Füße stellte, baute sie neun Jahre lang die Asiatika-Abteilung des Kölner Auktionshauses Lempertz auf. Die Entscheidung für ein eigenes Unternehmen auf diesem spezialisierten Nischengebiet war mutig, denn in den siebziger Jahren gab es dafür noch keinen Markt. Der minimalistische asiatische Touch kam erst langsam im Wohnbereich und an der Tafel in Mode, und Begriffe wie Okimono, Ojine oder Kiseruzutsu waren absolute Fremdworte.

Dass Klefisch sich um eine junge Klientel bemüht, hat auch damit zu tun, dass zwar Interesse an dem einen oder anderen Stück als Ergänzung zum Wohnambiente vorhanden ist, aber eben wenig fundiertes Wissen. Doch gerade das hat die bedeutenden europäischen Sammlungen ausgemacht, aus denen Klefisch dank langer vertrauensvoller Kontakte immer wieder das eine oder andere Stück versteigern kann. Und sie kennt ihre Kunden: "Eigentlich weiß ich schon im Voraus, welche Stücke nach Frankreich oder England gehen, das ist eine Frage der Tradition, der vor Ort in Asien gelernten Vorlieben." Schon jetzt hat sie sich für ihre 80. Aktion am 19. Juni beachtenswerte frühe Holzschnitte, unter anderem von Hiroshige aus einem Berliner und einem rheinischen Nachlass gesichert, dazu rund hundert außergewöhnliche Netsukes, Tsuben und Schwerter aus österreichischen und französischen Kollektionen ( www.klefisch.com ).