Ariel Scharon war die Niederlage im Gesicht anzusehen, die ihm seine Partei am Sonntag erteilt hat. Im Nachhinein betrachtet es nun auch der israelische Ministerpräsident als einen schweren Fehler, die knapp 200.000 Mitglieder des Likud über seinen einseitigen Trennungsplan von den Palästinensern abstimmen zu lassen. Als er die Idee aufbrachte, und dann auch noch der amerikanische Präsident seine großzügige Unterstützung dafür anbot, hatte sich Scharon in Sicherheit gewiegt.Doch die intensive Kampagne der Siedler und des rechten Flügels seiner Partei tat ihre Wirkung: Die Gegner des Plans setzten sich mit großer Mehrheit durch. Gegen einen Abzug aus dem Gazastreifen und gegen die Räumung der dortigen Siedlungen sowie von vier weiteren isolierten Siedlungen im Westjordanland. Und wer bis zum Schluss noch gezögert hatte, sich für den Plan des Ministerpräsidenten auszusprechen, der war nach dem blutigen Terroranschlag auf eine schwangere Mutter und ihren vier Kindern Zuhause geblieben.Die Niederlage ist niederschmetternd, aber das Bild ist verzerrt. Denn in Wirklichkeit hat sich nicht einmal ein Prozent der israelischen Bevölkerung gegen Scharons Plan ausgesprochen: Nur 41 Prozent der Likud-Mitglieder haben abgestimmt, davon sagten 65 Prozent nein zu seinem Plan. Gäbe es ein allgemeines Referendum – was jetzt noch kommen kann – wäre ihm die Unterstützung der Mehrheit sicher. Darauf kann sich Ariel Scharon, dem seine Partei quasi über Nacht abhanden gekommen ist, berufen. Er denke weder an Rücktritt, noch an die Aufgabe seines Vorhabens. "Das Volk hat uns gewählt", sagte er am Montag aufmunternd zu seinen Ministern. Ihm sei "Ruhe, Sicherheit, Frieden und wirtschaftlichen Aufschwung" in Aussicht gestellt worden. An diesem Ziel wolle er festhalten.Sollte er dies aber ohne Rücksicht auf die Resultate der Abstimmung tun, riskiert er die Spaltung seiner Partei. Aus diesem Grund will er sich nun mit den Parteimitgliedern beraten, um eine neue Version seines Plans zu erarbeiten. Dabei könnte sich die Räumung von Siedlungen ausschließlich auf den Gazastreifen beschränken. Ein Schritt, der leichter zu verdauen wäre, sagte die Erziehungsministerin Limor Livnat. Sie hatte gemeinsam mit Außenminister Silvan Shalom und Finanzminister Benjamin Netanjahu auf eine aktive Rolle an der Seite Scharons verzichtet – und damit zu dessen Niederlage bei der Abstimmung beigetragen.Zu halbherzig hat sich aber auch Scharon selbst verhalten, sagen seine Berater rückblickend. So hatte er die Versprechen aus dem Weißen Haus als ausreichend eingeschätzt, um die Mehrheit in seiner Partei von seinem Plan zu überzeugen. Wie dem auch sei, nach der gescheiterten Abstimmung ist nichts mehr wie vorher. Lange Zeit galt die Prämisse: Nur der Likud, also die Rechte, könne Frieden bringen oder zumindest die Konfrontation mit den Siedlern und ihren einflussreichen Unterstützern wagen.Jetzt sieht es so aus, als müsse Scharon sich für diese Herausforderung, wenn er sie wirklich annehmen will, andere Partner suchen. Sollten die innerparteilichen Bemühungen scheitern, kann das eine neue Regierung bedeuten, oder Neuwahlen.