Osteuropa Am unteren Ende der GlücksspiraleSeite 4/4
Davon wird nicht geredet werden am Tag der EU-Erweiterung. Der große historische Schritt will zu Recht gefeiert sein. Doch der Tanz um den Maibaum darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Mehr geht nicht. Die Kassen sind leer, die Kraft reicht nicht weiter. Europa wird nicht sein, wenn es keine wirtschaftlich starke und sozial kohärente Gemeinschaft mehr bilden kann. Für „strategische Dimensionen“ ist es nicht ausgelegt.
Die Osterweiterung stand schon vor tausend Jahren am Anfang der europäischen Geschichte. Sie begann mit der gewalttätigen Germanisierung der Slawenstämme, aber es blieb nicht bei blutigen Unterwerfungen. Rodungen und Städtebau, Zuzügler aus ganz Westeuropa, das von einem polnischen Herzog ausgestellte Siedlerrecht, das technische Know-how von der Egge bis zur Sense, vom eisernen Pflug bis zur doppelten Buchführung – dieser ganze Transfer integrierte den Osten in die damalige Weltwirtschaft. Die große Welle der Christianisierung – auch sie von Schwert und Schrecken begleitet – brachte doch zugleich die Aufnahme in die sich erweiternde kulturelle Gemeinschaft. Vor allem die Furcht vor den türkischen Eroberungen wurde schließlich zum dauerhaften Bindemittel.
Diese tausend Jahre beweisen, dass Europa zusammengehört. Die 15 Jahre der EU-Erweiterung aber zeigen, dass nicht so schnell und leicht wieder zusammenwächst, was zusammengehört. Sie sollten eine Warnung davor sein, nicht auch noch anzufügen, was nie dazugehört hat.
- Datum 29.04.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 29.04.2004 Nr.19
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