Um seinen Feind zu finden, musste Rick Bass sich bis ans Ende Amerikas zurückziehen. Dorthin, wo seine Nachbarn Bieber, Bären und Berglöwen sind und der Besuch des Postboten ein Ereignis ist. Er kam, um in der Einsamkeit Gedichte und Novellen zu schreiben. Und er bleibt, um Petitionen und Protestbriefe abzufeuern. Über seinen Feind sagt er Sätze, die nur einem Dichter einfallen: "George Bush ist der Midas der Moderne. Bloß dass nichts, was dieser König berührt, zu Gold wird. Stattdessen ist alles der Vernichtung geweiht."

Bass presst seine Worte hervor. Er ist außer Atem. Die Wanderung dauert schon zwei Stunden. Steil geht es bergan. Der Wald ist dicht, der Pfad überwuchert. Bass steigt voran. Ein hagerer Mann von Mitte vierzig, kein Gramm Fett. Auf dem Kopf eine Baseball-Kappe, auf dem Rücken ein abgegriffener Rucksack. Gelegentlich bleibt er stehen, erklärt Farn und Moos und Baum. Einmal zeigt er auf Blaubeerbüsche und sagt: "Bärenfutter." Er nickt zufrieden. Verspricht eine gute Ernte für die Grizzlys dieses Jahr.

Um Rick Bass zu treffen, muss man lange reisen. Erst in den Nordwesten Montanas fliegen, dann durch die Rocky Mountains in Richtung Kanada fahren. Alle hundert Kilometer taucht eine Siedlung auf, zuletzt Libby. Dort geht es rechts ins Yaak-Tal. Die Straße verengt sich, sodass die Tannenspitzen sich über dem Asphalt berühren. Zunächst ist es wie im Märchenwald, eine dunkle Wunderwelt. Doch dann wird es langweilig. 60, vielleicht 80 Kilometer kein Haus, keine Lichtung, kein Blick in die Berge. Nur Bäume, nichts als Bäume. Die Monotonie der Wildnis.

Auch die Wanderung durch dieses Dickicht wäre eintönig, hätte nicht unten an der Straße ein Schild gewarnt: "Vorsicht! Grizzly-Gebiet!" Das verändert alles. Man ist ständig auf der Hut, achtet auf jedes Geräusch. Am Rucksack hängt ein Glöcklein, um Bären zu verschrecken. Drinnen steckt, für alle Fälle, ein Pfefferspray, das der Grizzly ins Gesicht kriegt, falls er zu nahe kommt. Rick Bass findet poetische Worte, Angst hat er nicht. "Diese Gegend ist die Arche Noah des Nordens. Seit der Eiszeit ist hier nichts ausgestorben, keine Pflanze und auch kein Tier." Tatsächlich sind die Cabinet-Yaak Berge die einzige Gegend außerhalb von Nationalparks, in denen noch Grizzlybären leben. Viele sind es nicht mehr. 30, schätzt die Jagdbehörde. 13, fürchten die Umweltschützer. Jedenfalls so wenige, dass in der Zeitung steht, wenn mal jemand so ein Vieh sieht. Einige haben, als seien es alte Freunde, Namen erhalten. Sie heißen Marie und Lenny, Jake und Grandma.