Die Umweltpolitik der Republikaner ist in Amerika wesentlich unpopulärer als die Partei selber. Deshalb hat der landesweit bekannte Parteien-Berater Frank Luntz von Luntz Research Companies, der schon die Sprache des amerikanischen Konservatismus revolutioniert hatte, einen Leitfaden für Auftritte von Republikanern verfasst. Die Methode von Luntz, den die Regierung neuerdings auch zum Thema Irak konsultiert: Konservative Umweltpolitik soll konsequent in ein wohlklingendes Vokabular gekleidet werden. Kürzlich geriet das Papier in Washington an die Öffentlichkeit. Auszüge:

Um die Leute zu überzeugen, müssen Sie ihnen klar machen, dass auch Sie aufrichtig sind und um die Umwelt besorgt. Sie mögen eine noch so nuancierte, brillante, unwiderlegbare Argumentation für die Arsen-Politik von Präsident Bush vorstellen – Sie werden scheitern, wenn Ihre Zuhörer Ihnen nicht vertrauen. Ich muss Sie nicht daran erinnern, wie oft Republikaner als kalt, skrupellos und unsozial beschrieben werden. Diese Attacken sollen Angst und Ressentiment erzeugen. Weil sie ihrer Natur nach emotional sind, können sie nicht durch Logik oder Statistik widerlegt werden. Deshalb muss jede Diskussion über die Umwelt mit dem Bemühen beginnen, eine skeptische Zuhörerschaft davon zu überzeugen, dass Sie Umweltschützer und Ihre Absichten ehrenhaft sind. Sobald Sie Ihre umweltpolitische Glaubwürdigkeit inmitten all der Weltuntergangsszenarien etabliert haben und die Leute wissen, dass Ihr Herz am rechten Fleck sitzt, kann konservative und marktwirtschaftliche Umweltpolitik sehr populär sein…

Versichern Sie Ihrem Publikum immer wieder, dass Sie fest entschlossen sind, "unsere Umwelt zu schützen und zu bewahren". Das könne aber "klüger und effektiver" gemacht werden. (Führen Sie das ökonomische Argument keinesfalls zuerst ein.) Fangen Sie mit einer Geschichte aus Ihrem eigenen Leben an. Erzählen Sie konkrete Beipiele, in denen Bürokraten der Bundesregierung der Pflicht zum Schutz der Umwelt nicht nachgekommen sind. Attackieren Sie nicht die Grundlagen und Prinzipien der gegenwärtigen Umweltgesetze. Konzentrieren Sie Ihre Kritik auf die Umsetzung der Gesetze.

Stellen Sie rhetorische Fragen! Reden Sie über Ihre Pläne für die Zukunft, sprechen Sie nicht von Gegenwart oder Vergangenheit. Nehmen Sie das Erbe der Umweltgesetzgebung an und machen Sie die Dinge in Zukunft nur "noch besser". Umweltschutz ist ein Bereich, in dem die Leute "Fortschritt" sehen wollen. Die drei Worte, die in Ihrer umweltpolitischen Strategie vorkommen müssen, sind "sicherer", "sauberer" und "gesünder". (…) Verwenden Sie nicht Worte wie "Risiko-Abschätzung" oder "Kosten-Nutzen-Rechnung". Das klingt nach Industrie und Konzernen. Falls Sie ein ökonomisches Argument benutzen müssen, betonen Sie, dass sie nach einer "fairen Balance" zwischen Umwelt und Wirtschaft suchen. (…)

Amerikaner lieben die freie Natur. Werden Sie zum Vorkämpfer von Nationalparks und Wäldern. Das ist die beste Art, den Menschen zu zeigen, dass Republikaner in der Umweltpolitik auch FÜR etwas stehen können. Dass wir GEGEN bestehende Gesetze sind, wurde von vielen verstanden, als seien wir GEGEN Umweltschutz. (…) Egal, wie viele Experten wissen, dass die Gesetze zur Bodensanierung, zum Wasserschutz und zur Luftreinhaltung nicht funktionieren: Die Öffentlichkeit findet nicht, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Das heißt nicht, dass man das Boden-Gesetz nicht "auf den neuesten Stand" bringen oder das Wasserschutz-Gesetz nicht "modernisieren" könnte. Aber bevor Sie sich an solche schwierigen Fragen heranwagen, müssen Sie erst klar machen, dass Sie "auf den bestehenden Gesetzen aufbauen" wollen… Sagen Sie, dass Sie sich von "gesundem Menschenverstand" leiten lassen und all die "Fortschritte der vergangenen beiden Jahrzehnte bewahren" wollen, ohne aber zu extrem sein zu wollen. (…) Geben Sie den Bürgern das Gefühl, dass der Fortschritt durch eine maßlose Regierung gefährdet würde – so treffen Sie auf eine Goldmine in der amerikanischen Psyche.