Spannender als der Wahlkampf ist das Nachspiel zur österreichischen Präsidentenwahl. Man kennt das: Der Streit um die Interpretation des Ergebnisses wird zum innenpolitischen Machtkampf. Ob mit dem Wahlsieger, dem zwar nicht gerade charismatischen, aber umso respektableren Sozialdemokraten Heinz Fischer, auch die SPÖ des schwächelnden Vorsitzenden Alfons Gusenbauer gewonnen hat, ist zum Beispiel nicht nebensächlich. Welche Lesart sich dabei durchsetzt, das kann "Gusis" politische Zukunft entscheiden. Schon werden ja kuriose Nachfolgespekulationen herumgereicht, die kurioseste darunter, der nächste SPÖ-Kanzlerkandidat sei ein gewisser Gerhard Zeiler, zurzeit als Auslandsösterreicher in Deutschland tätig, eine Überlegung, die sich angesichts Zeilers kulturpolitischer Verdienste als RTL-Chef geradezu aufdrängt.

Aktueller ist freilich die Frage, wie sehr neben der geschlagenen Außenministerin Benita Ferrero-Waldner auch Kanzler Schüssel, ihr Erfinder und Steuermann, als Wahlverlierer gilt. Das ist er natürlich, aber darf man das in der ÖVP denken, geschweige denn sagen? Offenkundig rührt sich was im Beton. Jedenfalls liefert der rote Wahlsieg einigen schwarzen Provinzfürsten Stoff für ein Aufständchen gegen den autokratischen Parteichef. Immerhin hatte Schüssel schon im März den Machtverlust der ÖVP in Salzburg und das Debakel in Kärnten mit zu verantworten. Und natürlich gibt es Spott für Jörg Haider und dessen Wahlempfehlung für "die Ferrero". Diese Empfehlung hatte fatale Folgen, eine Art Todesbusserl: Haider-Wähler außerhalb Kärntens blieben unbeeindruckt, zögernde potenzielle Fischer-Wähler hingegen zeigten Wirkung und entschlossen sich, nun also doch zur Wahl zu gehen. So kam Fischer in Wien auf 65 Prozent, und gar so rot ist diese schöne alte Stadt auch wieder nicht.