Der Bundespräsident wirkt durch die Macht des Wortes, mal so und mal anders, wie die Geschichte der Bundesrepublik lehrt. Dass diese Regel auch für die Kandidaten gilt, die sich um das Staatsamt bewerben, erfährt zurzeit der aussichtsreichere von beiden. Unlängst empfahl er in einer Rede Angela Merkel als Kanzlerin, beiläufig, aus einer Art nachlässiger Courtoisie gewissermaßen - und siehe da, erbarmungslos schlug die politisch-linguistische Grundwahrheit zu, der zufolge es immer auf den Kontext ankommt: Was der Privatmann Köhler hätte äußern dürfen, stand dem Prätendenten auf das Präsidentenamt schlecht.

Schon vorher hatte Köhler angekündigt, er werde "für Debatten sorgen". Dessen eingedenk kümmern sich seither Aufpasser - pardon: Mitarbeiter - darum, dass die öffentliche Rede des Überraschungskandidaten nicht zur bombe surprise werde. Nun jedoch wagte der Mann einen Ausflug in die Außenpolitik und schalt Amerika "arrogant". Mit dieser Einschätzung steht er zwar fest in beiden volksparteilichen Lagern, doch was, wenn seine Wortwahl ein Vorgeschmack wäre auf die Diplomatie, die er als Repräsentant des Staates zu pflegen gedenkt?

Und wieso um alles in der Welt waren es nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete, vor denen Köhler als Außenpolitiker Probe lief?

Schließlich aber: Was wäre des Kandidaten Vorstellung davon, die Beziehungen zu Amerika zu verbessern?

Es genügt nicht, keinen Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, ihn auszudrücken: So schrieb es Karl Kraus, der wie immer alles schon geahnt hatte.