Lies! Mir! Vor!

Vorlesen ist keine Geheimwissenschaft, aber gerade für den Umgang mit größeren Kindergruppen sollte man gerüstet sein. Einige Empfehlungen

Vorlesen scheint auf den ersten Blick keine Tätigkeit zu sein, die allzu viel Expertise erfordert – man schnappt sich ein Buch und ein Kind, setzt sich aufs Sofa und beginnt. Wir haben hier gleichwohl einige wertvolle Hinweise der Stiftung Lesen und anderer Vorlese-Initiativen zusammengestellt, mit denen sich die häusliche Vorlesestunde noch spannender gestalten lässt. Und wer, wie es erfreulicherweise immer mehr Freiwillige in Deutschland tun, in einem Kindergarten, einer Bibliothek oder einer Schule vorliest, wird feststellen, daß man für den Umgang mit einer größeren Gruppe von Kindern auch vorlesetechnisch gerüstet sein sollte.

A. Vorlesetechnik:

1.Suchen Sie einen ruhigen, gemütlichen Ort zum Vorlesen.

2.Wählen Sie günstige Augenblicke zum Vorlesen. Besonders geeignet ist der Abend.

3.Lesen Sie möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit vor.

4.Haben Sie Geduld mit Ihrem Kind, akzeptieren Sie Zwischenfragen.

5.Versuchen Sie mit Engagement vorzulesen.

6.Damit das gelingen kann: Wählen Sie Kinderbücher aus, die Ihnen selbst Spaß machen. Ein Kinderbuch, das nur Kindern gefällt, ist kein gutes Kinderbuch.

7.Lassen Sie bei „Lieblingsgeschichten“ einen Kassettenrekorder mitlaufen. So können Ihre Kinder die Geschichten hören – in Ihrer Stimme –, auch wenn Sie selbst einmal keine Zeit zum Vorlesen haben.

8.Nehmen Sie sich immer etwas Zeit für Gespräche im Anschluss an das Vorlesen, erzählen Sie Ihrem Kind, was Sie selbst früher gern gelesen haben.

Die beste Verlockung zum Lesen sind gute Geschichten. In dem schier unüberschaubaren Angebot von Kinderbuchklassikern und Neuerscheinungen fällt die Auswahl manchmal schwer. Eine Reihe von Autoren machen inzwischen Vorschläge für eine systematische Grundausstattung mit guten Büchern:

B. Tipps für das Vorlesen in Kindergärten und Schulen

1.Zunächst ist es wichtig, sich zu überlegen, für welche Zielgruppe Sie gern vorlesen möchten: Vorschulkinder, Hortkinder, Schulkinder. Nehmen Sie Kontakt zu Einrichtungen in Ihrer Nähe auf, fragen Sie, ob man sich dort über einen Vorleser freuen würde.

2.Es bietet sich an, an eventuell bereits bestehende Kontakte anzuknüpfen. Hilfreich kann ein Blick auf die Homepage der Stiftung Lesen www.StiftungLesen.de sein. Unter dem Stichwort www.wir-lesen-vor.de finden Sie dort regionale Ansprechpartner, die mit der Stiftung Lesen Vorleseseminare durchgeführt haben und ehrenamtliche Vorlesepaten in ihrem Ort betreuen.

3.Haben Sie „Ihren“ Kindergarten oder „Ihre“ Schule gefunden, dann ist es am besten, wenn die Vorlesestunde einen festen Platz im Tagesablauf der Einrichtung bekommen kann. Wichtig ist vor allem, dass sie regelmäßig stattfindet, möglichst immer am gleichen Wochentag in einem regelmäßigen Rhythmus.

4.Eine Vorlesestunde sollte – zumindest am Anfang und bei wenig vorleseerfahrenen Gruppen – nicht länger als eine Zeitstunde dauern, wovon auf die reine Vorlesezeit nicht mehr als 20 Minuten entfallen sollten.

5.Ideal ist eine Gruppengröße von circa 5 bis 8 Kindern, da hier auch Illustrationen in Bilderbüchern noch gut für alle zu zeigen sind. Für noch nicht ganz so versierte Vorleserinnen und Vorleser kann es schwierig sein, für Gruppen von mehr als 10 Kindern vorzulesen. Die Altersunterschiede innerhalb einer Vorlesegruppe sollten nicht zu groß sein.

6.Besonders spannend und auch hilfreich kann es sein, für die Vorlesestunde ein bestimmtes Thema zu wählen wie „Ein Nachmittag mit Märchen“, „Urlaubszeit – Reisezeit“ oder „Schaurig schöne Gruselgeschichten“.

7.Sie sollten das Buch, das Sie vorlesen, ganz genau kennen! Nur dann fühlen Sie sich sicher und können sich ganz auf die Vorlesesituation konzentrieren.

8.Ob Bilderbücher gezeigt, ob Geschichten vorgelesen oder erzählt werden – immer sollte die eigene Freude am Erzählen oder Vorlesen spürbar sein. Nichts überträgt sich besser und unmittelbarer auf die Zuhörer/innen. Quälen Sie sich selbst nicht mit Büchern, die Ihnen albern vorkommen – eine goldene Grundregel zum Erkennen wertvoller Kinderliteratur lautet, dass, was ausschließlich Kindern gefällt, für Kinder nicht gut genug ist.

9.Der Text sollte nicht in einem Stück vorgelesen oder erzählt werden. Kinder möchten gern ihre Fragen und Gedanken einbringen. Haben Sie Geduld mit den Kindern, und betrachten Sie Zwischenfragen oder Äußerungen nicht als Störungen, sondern nehmen Sie sie als Anregung.

10.Beim Vorlesen sollten immer die Reaktionen der Kinder beachtet werden. Wenn es Ihnen passend und nötig erscheint, dürfen Textabschnitte gekürzt, ausgeschmückt und variiert werden. Wechseln Sie ruhig zwischen Vorlesen und Erzählen ab – je nach Reaktion Ihrer Zuhörer.

11.Denken Sie daran, Raum und Zeit für Gespräche mit den Kindern über das Thema einzuplanen. Sprechen Sie mit ihnen über das Gelesene, greifen Sie Zwischenrufe noch einmal auf und stellen Sie eine Verbindung zu persönlichen Erlebnissen der Kinder her.

12. Falls beim Vorlesen Probleme (Unruhe, störende Kinder) auftreten sollten, lassen Sie sich nicht gleich beirren. Meist lässt sich die Störung durch folgende kleine Tricks beheben: Halten Sie beim Vorlesen Augenkontakt, besonders mit unruhigen Kindern. Sprechen Sie störende Kinder gezielt an („Was meinst du denn?“). Platzieren Sie unruhige Kinder möglichst neben sich.

13. Eine schöne Aktion für Schulen schließlich ist das große Lesefest, mit dem man zum Beispiel die Neugestaltung der Schulbibliothek zum gemütlichen Leseraum feiern kann. Als Programmpunkte eignen sich ein Marathon-Vorlesen der Unendlichen Geschichte (am besten auf einem zentral aufgestellten Sofa); Lesezeichenbasteln und verkauf; Ermittlung der Klassen- und Schul-„Bestsellerlisten“; Kinderliteraturquiz nach dem Strickmuster von Wer wird Millionär?; kleine Theateraufführungen; Ausstellung von Projekten des Kunstunterrichts zum Thema Buch; Bücherflohmarkt; Info-Stand der örtlichen Bücherei.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage der Stiftung Lesen, wenn Sie www.wir-lesen-vor.de anklicken. Telefonische Auskunft gibt Margit Weingärtner im Projektsekretariat der Stiftung Lesen: 06131/28890-15.

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