Washington
Wenn es nach George Bush gegangen wäre, hätte er Fragen der „9-11 Kommission“ zur Untersuchung der Anschläge auf das World Trade Center nicht beantwortet. Doch auch der mächtigste Mann der Welt muss manchmal anerkennen, dass seine Macht Grenzen kennt. So gab der amerikanische Präsident schließlich dem großen öffentlichen Druck der vergangenen Wochen nach. Drei Stunden und zehn Minuten lang durften die zehn Mitglieder der Kommission den Präsidenten und seinen Stellvertreter Richard Cheney am Donnerstag befragen.

Nach dem Gespräch im Oval Office des Weißen Hauses sagten die Mitglieder der Kommission, es sei eine „große Hilfe“ gewesen und werde sich im Juli im Abschlussbericht niederschlagen. Die Kommissionsmitglieder beschrieben den Präsidenten und seinen Vize nach der Anhörung als „entgegenkommend und aufrichtig.“ Bush sagte , er habe “jede Frage” beantwortet und den Mitgliedern der Kommission deutlich gemacht, wie er das Weiße Haus führe und wie er mit Bedrohungen umgehe.

Freundlichkeiten hüben, Freundlichkeiten drüben. Kein Vergleich zu den Bissigkeiten und Wahlkampfattacken, die während der vergangenen Wochen aus der Kommission zu hören waren. Doch worum ging es?

Die Anhörung von Bush und Cheney sollte dabei helfen, jene Fragen zu beantworten, die jeden Amerikaner seit dem 11. September 2001 quälen: Hätten die Anschläge verhindert werden können? Gab es Defizite im amerikanischen Sicherheitssystem - und wenn ja, welche? Was wusste Bush über die Gefahr, die von Al Qaida ausging? Hat die Regierung Bush die Bedrohung ernst genug genommen? Wie hat der Präsident auf das inzwischen berühmte Memo vom 6. August 2001 reagiert, das den Titel trägt: „Bin Laden zu Angriffen in den USA entschlossen“?

Seitdem im März der ehemalige Terrorbeauftragte, Richard Clarke, dem Weißen Haus kaum verhohlenes Desinteresse vorgeworfen hat, werden die Zeugen prominenter. Anfang April ließ sich Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice öffentlich und unter Eid von den Kommissaren befragen. Später folgten andere Mitglieder des inneren Führungskreises, CIA Direktor George Tenet etwa oder FBI Direktor Robert Mueller. Mit den Auftritten des Spitzenpersonals wuchs das Interesse der Öffentlichkeit. 75 Prozent der Amerikaner verfolgen die Arbeit der Kommission mittlerweile im Detail, schrieb die Washington Post diese Woche.

Bleibt die Frage, was Bush und Cheney eigentlich gesagt haben. Well, sorry! Darauf gibt es zur Stunde noch keine Antwort, vielleicht wird es nie eine geben. Denn die Anhörung war nicht öffentlich. Der Präsident und sein Vize hatten sich geweigert, öffentlich, einzeln und unter Eid die Fragen zu beantworten. Auch eine Aufzeichnung hatten sie abgelehnt. Bei ihrer Anhörung durften nur eine Person für die Kommission und zwei für das Weiße Haus teilnehmen. Außerdem saß Bush-Berater Alberto Gonzales mit im Oval Office.

Diese restriktiven Bedingungen hatten die Berater des Präsidenten wochenlang im Vorfeld mit den Kommissaren ausgehandelt. Damit erzeugten sie jenen Eindruck, der Bush bis Donnerstag so sehr geschadet hat: Dass er etwas zu verbergen habe. Nach der Anhörung kommentierte Bush: „Wenn wir etwas zu verheimlichen hätten, hätten wir uns nicht mit ihnen getroffen.”