Wenn Abu und Mongu spielen, sieht es aus, als würden zwei Sumoringer aneinander geraten. Mit gesenkten Köpfen prallen die Elefantenbabys gegeneinander und umschlingen sich mit ihren Rüsseln. Als der dreijährige Abu die Oberhand gewinnt und seine einjährige Spielkameradin in die Knie zwingt, hat Mongu genug: Ein tiefes Röhren dringt aus ihrer Kehle.

„Eindeutig ein Protestruf“, diagnostiziert Angela Stöger-Horwath, die ihre Schützlinge aus fünf Meter Entfernung beobachtet. In der Hand hält sie ein Mikrofon, das sie den Elefanten fast auffordernd entgegenstreckt. Sie nickt zufrieden: „Der Ruf war laut und deutlich.“ Tatsächlich findet Mongus Unmutsäußerung auch anderweitig Gehör: Eine Elefantenkuh eilt auf die Streithähne zu. Ungestüm drängt sie Abu beiseite. „Das ist Tonga, Mongus Mutter“, sagt Stöger-Horwath.

Seit drei Jahren belauscht die 27-jährige Zoologin die sieben afrikanischen Steppenelefanten im Wiener Zoo Schönbrunn. 900 Stunden lief der Rekorder. Dabei hat sie mehr als 2500 Rufe aufgezeichnet. Mit der Abhöraktion will Stöger-Horwath die Entwicklung der Dickhäutersprache verstehen. Denn die Tiere verständigen sich nicht nur durch Trompeten, sondern auch durch Grollen und Brüllen, Grunzen und Kreischen. Zehn Grundtöne hat die Elefantenforschung, die vor allem in afrikanischen Nationalparks gedeiht, bisher identifiziert. Insgesamt, schätzt die Amerikanerin Joyce Poole, die das Savanne Elephant Vocalization Project in Kenia leitet, beläuft sich das Elefanten-Abc auf etwa 70 Töne.

Mongus Protestruf zählt zu den Gruff-Lauten, mit denen Kälber ihren Unmut kundtun. „Er dauert im Schnitt etwa eine Sekunde und hat eine Grundfrequenz von 40 bis 50 Hertz“, erklärt Stöger-Horwath. In einem kleinen Büro, keine 30 Meter vom Elefantengehege entfernt, werden die Rufe als Sonogramme auf ihrem Computer sichtbar. Allerdings sind die Aufnahmen gespickt mit Vogelgezwitscher und Kinderlachen. Oft scheitert das Schallanalyse-Programm beim Versuch, die Elefantentöne als etwas Eigenständiges zu identifizieren. Eine Stunde lang sitzt die Wiener Zoologin manchmal vor dem Bildschirm, um einen einzigen Laut zu analysieren.

Mit Strichmustern allein lässt sich die Sprache der Elefanten nicht entschlüsseln. Denn jeder Laut ist an ein bestimmtes Verhalten gebunden. Lautes Trompeten kann sowohl Freude als auch Angst ausdrücken – je nachdem, ob das Tier heftig mit den Ohren flattert (Freude beim Begrüßen von Artgenossen) oder die Lauscher abspreizt (Angst vor einer Löwen-Attacke). Beim Versuch, sich Gehör zu verschaffen, nehmen die Elefanten auch die Beine zu Hilfe und stampfen und klopfen damit auf den Boden. Sie kommunizieren jedoch nicht nur mit Körper und Kehlkopf. Unliebsame Konkurrenten hält sich der paarungshungrige Bulle auch mit chemischen Signalen vom Leib. Wenn sein Testosteronspiegel steigt, signalisiert er mit ein paar stinkenden Tropfen Urin Angriffslust und Aggressivität.

Während die chemischen Vokabeln hormonell gesteuert werden, müssen die Elefanten ihre Lautsprache mühsam erlernen. Das gilt insbesondere für die tiefen Töne im Infraschallbereich, mit denen sich die Tiere ihres gegenseitigen Wohlbefindens versichern, auf Wasserquellen hinweisen oder vor Gefahren warnen. Der Mensch kann solche Frequenzen unter 20 Hertz nicht hören. Daher rätselte man lange Zeit, wie es Elefanten schaffen, über kilometerweite Entfernungen zueinander zu finden oder ohne Sichtkontakt im Gleichschritt zu marschieren. Sogar telepathische Fähigkeiten wurden ihnen angedichtet.