umwelt Ich war eine FlascheSeite 2/2

Die starke chinesische Nachfrage nach deutschen Plastikflaschen bringt die heimischen Recyclingbetriebe in Schwierigkeiten. Ihnen geht der Nachschub aus. Die Unternehmen Rethmann aus Lünen und Freudenberg aus Weinheim haben daraus bereits Konsequenzen gezogen. Ursprünglich wollten sie in Kaiserslautern bis Anfang 2004 ein gemeinsames Werk errichten, um jährlich gut 20000 Tonnen Plastikflaschen zu recyceln. Rund 16 Millionen Euro Investitionsgelder waren geplant und 33 neue Arbeitsplätze. Dann kam das Dosenpfand nach Deutschland – und die Flaschen gingen nach China. Die Möglichkeit, hierzulande PET-Einweg zu verarbeiten, sei seither „überproportional gesunken“, äußert sich Freudenberg diplomatisch. An das ursprünglich geplante Joint Venture mit dem Namen First PET erinnert in Kaiserslautern bloß noch eine Baugrube. Recyclingwerk und Arbeitsplätze entstehen jetzt in Frankreich. In einem Land ohne Pfand.

Die Konkurrenten aus Fernost bieten Abfallhändlern weitaus bessere Preise, als es heimische Recyclingbetriebe je könnten. Chinesische Unternehmen produzieren viel billiger, weil Arbeitskräfte kaum etwas kosten und Umweltauflagen deutlich lascher sind als hierzulande. Zertifikate, mit denen sie deutschen Handelspartnern die Einhaltung ökologischer Standards bescheinigen, gelten unter Experten bestenfalls als fragwürdig.

Schon fürchten manche den Ausverkauf der heimischen Recyclingindustrie. Das jüngste Beispiel aus Übersee ist noch in guter Erinnerung. „Aus den Vereinigten Staaten hat China in der Vergangenheit bereits einen Großteil des gebrauchten PET herausgekauft. Jetzt gibt es dort praktisch keinen Markt mehr“, sagt Thomas Probst, Experte für Plastik beim Branchenverband BVSE. Sollte sich dies in Deutschland wiederholen, drohen höhere Preise für Getränke – die Hersteller müssten sich nämlich mit Flaschen aus neuem PET versorgen. Das Frischplastik kostet aber nicht nur mehr Geld, sondern auch Rohstoffe. Denn PET wird aus Erdöl gewonnen. Ein Liter ergibt etwa ein Dutzend Flaschen.

Von der Bundesregierung haben die deutschen Recyclingbetriebe jedenfalls keine Hilfe zu erwarten, sagt ein Sprecher des Umweltministeriums. Dass die Einwegflaschen massenhaft nach China reisen, sei eben globaler Handel.

Ein Ende des chinesischen Hungers auf Altplastik ist nicht in Sicht. Zwar sind Gerüchte zu hören, dortige Behörden hätten ein Importverbot verhängt und 7600 Container voller deutscher Plastikflaschen in Hongkong festgesetzt. „Solche Gerüchte gibt es immer wieder im Abfallhandel mit China“, so Berater Schuh. „Zudem existieren mindestens genauso viele Importverbote wie Importgenehmigungen anderer Behörden oder Verwerter.“ Zudem müsste bei einem Einfuhrstopp der Preis für PET-Einwegflaschen sinken – das Gegenteil ist der Fall. Nach Einschätzung der Entsorgungsfirma Rethmann habe sich die Lage seit Januar „eher verschlimmert als verbessert“. Oder anders gesagt: China strickt weiter.

 
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