technik In die Röhre gegucktSeite 3/3

Ähnliches ist von den Nanoröhren nicht zu behaupten. In einer Studie über deren Marktpotenzial kam die niederländisch-spanische Beraterfirma Willems & van den Wildenberg kürzlich zu einem eindeutigen Ergebnis: Überall dort, wo die Röhrchen in hoher Qualität und in großen Mengen gebraucht werden, müssten sie billiger werden. Andernfalls seien die Chancen, gegen bestehende Materialien zu konkurrieren, gering. Bisher wurde ein solcher Preisrutsch bei gleichzeitiger Produktionssteigerung, der so genannte Scale-up, von den Herstellern der Röhrchen zwar oft versprochen, ereignet aber hat er sich nie.

Statt als Wunder der Menschheit in die Geschichtsbücher könnten die Nanoröhrchen in die Walhalla der gescheiterten Technikrevolutionen eingehen. Dort teilten sie das Schicksal etwa von Hochtemperatursupraleitern, die im großen Stil Kupferkabel ablösen sollten, aber bisher allenfalls in kleineren Nischen gelandet sind. Fast alle Kabel sind noch immer aus normalem Kupfer.

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Auch für die Kohlenstoff-Nanoröhrchen tun sich bloß Nischen auf. Am Einsatz als Schalter, Transistoren und kleine, leitende Verbindungsstücke in spezieller Elektronik – so genannte vias – tüfteln Infineon, Intel und IBM. Als Sensor könnte man sich die Röhrchen bei Philips vorstellen. In Batterien und Flachbildschirmen, glauben die Unternehmensberater Willems & van den Wildenberg, könnten die Röhrchen einst zum Einsatz kommen. Doch bei allem gilt: Das Marktvolumen ist klein. Von Ablösung der Siliziumtechnologie ist nirgends die Rede.

Selbst auf Spezialfeldern droht Konkurrenz aus dem eigenen Revier. Nanoröhrchen, die nicht aus Kohlenstoff bestehen, sind im Kommen. Materialforscher an der Pennsylvania State University konnten zeigen, dass Wasserstoffsensoren mit Nanoröhrchen aus Titan funktionieren. Bei IBM wird an Schaltkreisen mit Röhrchen aus Bornitrid gearbeitet. Der entscheidende Vorteil: Sie sind weniger Allround- als vielmehr Spezialtalente und verhalten sich berechenbarer als die Kohlenstoff-Kollegen. Während die Letzteren, je nach Wachstumsart und Struktur, den Strom äußerst unterschiedlich leiten, liefern die Bornitrid-Röhren immer gleich gute Eigenschaften.

In ihrer Studie haben die niederländisch-spanischen Unternehmensberater ein Szenario entworfen. Im „pessimistischen Fall“, schreiben sie, blieben die Kohlenstoff-Nanoröhrchen wissenschaftlich hoch interessant – aber arbeitslos. Trotzdem ließe sich mit ihnen noch auf drei Arten Geld verdienen. Erstens verkauft man Vorlesungen über die Wissenschaft der Röhrchen. Zweitens stellt man Geräte für die Forschung her. Und drittens: Man verfasst als Unternehmensberater Berichte über ihre Zukunft.

 
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