Südafrika Im Wrack durch Südafrika
Rent-a-Wreck in Johannesburg vermietet Schrottautos als Leihwagen
Stau im Pilanesberg Nationalpark, zwei Autostunden nordöstlich von Johannesburg – sieben Land Rover und Robin in einem alten Mazda 323. Rechts zieht ein Elefantenweibchen gemächlich vorbei. Von links betritt plötzlich das Männchen den Schauplatz. Der Jumbo orientiert sich kurz. Dann nimmt er Fahrt auf, beschleunigt direkt auf den Mazda zu, den der Student bei Rent-a-Wreck in Johannesburg gemietet hat. Spontan entscheidet Robin sich für den Rückwärtsgang. Immer den Koloss im Blick, nur nicht das Auto hinter ihm im Rückspiegel. Crash! Der Elefant dreht ab, und der Mazda verdient nun den Namen seiner Autovermietung.
Wayne Blumenau lacht, als er die Geschichte hört. »Alles schon mal da gewesen, schließlich vermieten wir die Schrottkarren jetzt schon seit über 30 Jahren.« Seine einzige Sorge scheint zu sein, wie er den Elefanten auf dem Unfallprotokoll für die Versicherung skizzieren soll.
Fast 200 verbeulte Mazdas und Toyotas klappern heute in und um Johannesburg herum. Die Autos sind alle zwischen 20 und 30 Jahre alt. Optisch verdienen sie nicht gerade die Bezeichnung »scheckheftgepflegt«, da ein paar Kratzer, dort eine Delle. Aber technisch sind sie in einwandfreiem Zustand, beteuert Wayne Blumenau. Und niemand sieht den Autos an, dass sie gemietet sind. »Denn das ist das Konzept«, sagt Blumenau. »Zeige nie das Geld, das du nicht hast.«
Seit 1973 vermietet das Familienunternehmen als einziges in Südafrika Altautos. Blumenaus Vater kam auf die Idee, weil ihm selbst »das Auto unter dem Hintern weggeklaut wurde«. Im vergangenen Jahr registrierten die Behörden 20173 Überfälle in Johannesburg. »Vor allem Reisende sind eine leichte Beute«, sagt Blumenau. Normale Mietwagen sind leicht zu erkennen. Viele Touristen kämen erst gar nicht mehr nach Johannesburg. »Wenn doch, dann mieten sie ein Wrack«, sagt Blumenau. Denn das ist das sicherste und preiswerteste Fortbewegungsmittel in Johannesburg. Nur 100 Rand – umgerechnet weniger als 15 Euro – kostet ein Auto pro Tag, 1000 Kilometer inklusive. Für einen Kleinwagen zahlen Touristen bei den kommerziellen Vermietern schnell das Doppelte. Die meisten von Blumenaus Kunden sind denn auch Touristen mit nicht so viel Geld, die von Johannesburg in Richtung Krüger Nationalpark oder zu den Victoriafällen aufbrechen. »Inzwischen fahren aber auch verängstigte Unternehmer und Manager mit den Wracks durch Johannesburg«, sagt Blumenau.
Seine Werkstatt mit der Verleihstation liegt in Downtown Johannesburg, da, wo Touristen nachts zumindest besser nicht hinsollten. Für die Wagenübergabe macht man deshalb am besten einen Termin aus. 30 Mitarbeiter schrauben, hämmern und putzen hier an den Schrottkarren herum, die Blumenau über Kleinanzeigen in Johannesburg eingesammelt hat. Der Service ist gut. Bleibt ein Wrack unterwegs liegen, dann ist die 24-Stunden-Hotline zur Stelle. Innerhalb von einer halben Stunde haben Wayne Blumenaus Leute dem Elefantenopfer Robin einen »neuen« Wagen hergerichtet. Frisch geputzt, gesaugt und getankt.
Kleingedrucktes gibt es bei Rent-a-Wreck (Apex Service Station, President Street, Johannesburg, Tel. 0027-11/4024391) nicht und eine Vollkaskoversicherung auch nicht. So bezahlt der Student brav die Selbstbeteiligung in Höhe von knapp 200 Euro. Dann darf er in seinen neuen Mazda, Baujahr 73 steigen. Wayne Blumenau grinst und winkt zum Abschied aus seinem 500er-Mercedes Coupé, silbermetallic mit getönten Scheiben. »Die sind aus Panzerglas.«
- Datum 06.05.2004 - 14:00 Uhr
- Quelle (c) DIE ZEIT 06.05.2004 Nr.20
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