porträtMélac!

Für Ludwig XIV. exekutierte er den Vernichtungskrieg in der Pfalz, sein Name wurde zum Schreckensruf: General Comte de Mélac, friedlich gestorben am 10. Mai 1704 in Paris von Michael Martin

Kreuzzüge für die Menschenrechte waren immer schon heikle Unternehmen. Als die Truppen der Französischen Revolution 1792 an den Rhein aufbrachen, um Deutschland die Freiheit zu bringen, warnte Maximilien Robespierre seine Landsleute: "Niemand liebt die bewaffneten Missionare!" Die Invasion werde eher die Angst vor einer Eroberung der Pfalz schüren "und die Erinnerung an die letzten Kriege erwecken, als konstitutionelle Ideen hervorsprießen lassen, da die Masse des Volkes dort besser diese Tatsachen kennt, als unsere Verfassung".

Diese Tatsachen – Robespierre spielte damit auf ein besonders düsteres Kapitel der französischen Geschichte an: auf die Verwüstung der südlichen Rheinlande, vor allem der Pfalz, durch die Truppen Ludwigs XIV. während des Pfälzischen Erbfolgekrieges fast genau 100 Jahre zuvor, von 1688 bis 1697. Diese dunkle Zeit hatte sich den Menschen im Südwesten des Reiches tief eingeprägt. Verbunden ist sie vor allem mit einem Namen, der zum Schreckensruf wurde: Mélac. Der General des Sonnenkönigs galt als der Mordbrenner schlechthin, wurde zum Monster dämonisiert, ja zum Paten der deutsch-französischen Erbfeindschaft.

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Wer es heute unternimmt, sich diesem zweifellos bizarren Charakter zu nähern, stößt auf Schwierigkeiten. Denn entscheidende Quellen fehlen: Die Personalakte im nationalen Militärarchiv von Vincennes ging seltsamerweise verloren, ebenso Mélacs Familienarchiv.

Schon das Geburtsdatum liegt im Dunkeln. Um 1630 kommt Ezéchiel du Mas, Comte de Mélac, in Saint-Radegonde, 15 Kilometer südöstlich von Libourne im heutigen Département Gironde, auf die Welt. Über seine Jugend ist nichts bekannt. Fest steht, dass er sehr jung zum Militär geht. 1664 finden wir ihn als Leutnant eines Kavallerieregiments in Portugal, wo er zwei Jahre später eine eigene Kompanie bekommt. 1672, zu Beginn des französisch-niederländischen Krieges, dient Mélac in Flandern, nimmt an allen Belagerungen teil und wird 1675 zum maître de camp de cavalerie befördert. Schon hier, in diesem Feldzug, da sich die Niederländer verbissen und erfolgreich gegen die Invasoren wehren, zeigt sich Mélac als gnadenloser Krieger. "Bei Tagesbeginn", schreibt er in einem Brief an seinen Vorgesetzten, "drangen wir in das Dorf ein […]. Es wurde vollständig geplündert und fast gänzlich niedergebrannt. Wir legten das Feuer am Dorfausgang und zogen uns dann nach und nach zurück." Vier Jahre muss Mélac auf seine nächste Beförderung zum brigadier warten. Er wird Gouverneur von Schleiden, 40 Kilometer südöstlich von Aachen. Im Februar/März 1686 finden wir ihn in der Armee des Marschalls Catinat in Savoyen. Anfang April 1688 kommt der Marschbefehl zur Rheinarmee, wo Mélac dem Kommando von Marschall Jacques-Henri de Duras unterstellt wird. Im selben Jahr noch heiratet der inzwischen 58-Jährige Duras’ Tochter Jeanne, 1691 allerdings ist er bereits Witwer.

Der Pfälzische Krieg hat begonnen. 1685 war das Haus Pfalz-Simmern mit dem Tode des kinderlos gebliebenen Pfalzgrafen Karl erloschen. Das Ende dieser Seitenlinie wäre keine Notiz wert, wenn Karl nicht der Bruder der Lieselotte von der Pfalz gewesen wäre, die wiederum mit dem Bruder Ludwigs XIV. verheiratet war und am Hofe des Königs lebte. Obwohl sie auf ihr Erbe verzichtet hatte, erhob Ludwig in ihrem Namen seine Ansprüche. Zunächst noch, immerhin drei Jahre lang, überließ der König der Diplomatie das Wort, dann sprachen die Waffen.

Bis heute ist ungewiss, ob Ludwig oder sein Kriegsminister, der Marquis de Louvois, die treibende Kraft war. Im September 1688 schlagen die Truppen los und marschieren in die Pfalz ein – ohne förmliche Kriegserklärung. Darüber hinaus dringen sie ins Rechtsrheinische vor, Heilbronn und Heidelberg werden erobert, Philippsburg, die einzige deutsche Festung am Oberrhein, fällt am 30. Oktober, Mannheim kapituliert am 10. November.

Als Untergebener des Kommandanten von Heilbronn, Joseph de Montclar, unternimmt Mélac Züge in die nähere Umgebung und sogar bis in die 120 Kilometer weit entfernte Reichsstadt Donauwörth. Die Verwüstungen, die er anrichtet, hinterlassen unübersehbare Spuren. Marbach und Schorndorf sind weitere Stationen. Zum Jahreswechsel 1688/1689, als die französischen Truppen Württemberg wieder räumen müssen, taucht Mélac in Heidelberg auf, zieht die Bergstraße entlang und ins Neckartal, die dortigen Ortschaften, darunter Ladenburg, in Schutt und Asche legend.

"So brenn nun in der Höll mit Leib, Seel, Haut und Haar"

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