Aktuelle Bibliografie
Die Folter
Die Misshandlungen irakischer Gefangener in US-Gewahrsam haben das Augenmerk auf ein Phänomen gerichtet, das gern verdrängt wird, obwohl es in vielen Ländern dieser Erde tägliche Praxis ist: die Folter, das Schlimmste, was Menschen Menschen zufügen können. „Wer der Folter erlag, kann nicht mehr heimisch werden in der Welt“, so beschrieb der Schriftsteller Jean Améry seine eigene Erfahrung der Erniedrigung durch Gestapo-Beamte in der belgischen Festung Breendonk 1943. Der Bericht Die Tortur ist nun wiederabgedruckt im 2. Band der Werke (hrsg. von Gerhard Scheit; Klett-Cotta, Stuttgart 2002; 856 S., 40,– Euro). Ein historisches Panorama der Entwicklung der Folter innerhalb der europäischen Zivilisation bietet die nüchterne, fast unterkühlte Darstellung des amerikanischen Historikers Edward Peters: Folter (Geschichte der peinlichen Befragung. Aus dem Engl. von Jobst-Christian Rojahn; EVA, Hamburg 1991; 256 S., 22,50 Euro). Wann, wo und unter welchen Umständen der Körper zum Objekt herrschaftlicher Gewalt wird, untersuchen die Autorinnen und Autoren des von Peter Burschell, Götz Distelrath, Sven Lembke herausgegebenen Bandes Das Quälen des Körpers (Eine historische Anthropologie der Folter; Böhlau-Verlag, Köln/Wien 2000; 323 S., 24,50 Euro). Dem düstersten Kapitel in der jüngeren Geschichte Frankreichs, der Folter durch Angehörige der französischen Armee im Algerienkrieg, widmet sich die Historikerin Raphaëlle Branche: La torture et l’armée pendant la guerre d’Algérie (Gallimard, Paris 2001; 474 S., 29,80 Euro). Die Arbeit des Ausschusses des Europarats zur Verhütung von Folter dokumentieren Malcolm D. Evans und Rodney Morgan: Bekämpfung der Folter in Europa (Springer Verlag, Heidelberg 2002; 260 S., 24,95 Euro). Wie Folteropfern geholfen werden kann, ihr Vertrauen in die Welt zurückzugewinnen, untersuchen zwei Therapie-Bücher: Sepp Graessner, Norbert Gurris, Christian Pross (Hrsg.): Folter (An der Seite der Überlebenden; C. H. Beck, München 1996; 288 S., 12,50 Euro) und Alfred Drees: Folter (Opfer, Täter, Therapeuten. Neue Konzepte der psychotherapeutischen Behandlung von Gewaltopfern; Psychosozial-Verlag, Gießen 1996; 2. Aufl., 315 S., 19,90 Euro). V.U.
Bibliografien:
Gerhard Scheit (Hrsg.): Die Tortur
Klett-Cotta, Stuttgart 2002; 856 S., 40,– Euro
Edward Peters: Folter
Geschichte der peinlichen Befragung. Aus dem Engl. von Jobst-Christian Rojahn; EVA, Hamburg 1991; 256 S., 22,50 Euro
Peter Burschell, Götz Distelrath, Sven Lembke (Hrsg.): Das Quälen des Körpers
- Datum 13.05.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 13.05.2004 Nr.21
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