Im Jahr 2003 verspielten die Deutschen mit Lotto und Toto 10,5 Milliarden Euro, versenkten 5,3 Milliarden Euro in Geldspielautomaten und setzten 236 Millionen Euro auf Rennpferde. Das macht pro Kopf 200 Euro im Jahr, von denen im Schnitt nicht einmal die Hälfte als Gewinn wieder ausgezahlt wird. Glücksspiel ist eine schlechte Investition: hohes Risiko, negativer Ertrag.

Noch riskanter ist es, bei einer Gartenparty selbst eine Tombola zu veranstalten und die Einnahmen einem Kinderheim zu stiften. Wer das tut, läuft Gefahr, ins Gefängnis zu kommen: Paragraf 284 des Strafgesetzbuchs verbietet öffentliche Glücksspiele aller Art. Wer ohne Lizenz ein Glücksspiel veranstaltet, riskiert bis zu zwei Jahre Gefängnis, Teilnehmer an unerlaubtem Glücksspiel können bis zu sechs Monate Freiheitsstrafe aufgebrummt bekommen. Ausnahmen vom Glücksspielverbot sind aber möglich: Die Bundesländer können Spielbanken und Veranstaltern von Sportwetten und Lotterien Glücksspiellizenzen ausstellen. Auch für die Tombola auf der Grillparty ist so eine Lizenz nötig. Der Haken an der Sache: Gewöhnlich bekommen nur gemeinnützige Veranstalter eine solche Lizenz und dürfen nur Gewinne bis zu einer Million Euro ausspielen. Manche Bundesländer drücken für Privatleute ein Auge zu. Glücksspiellizenzen sind immer mit Auflagen verbunden: Spielbanken müssen je nach Bundesland bis zu 85 Prozent ihrer Spieleinnahmen an den Staat abgeben. Und von jedem Euro, den die Deutschen in Lotto oder Fußballtoto stecken, gehen 16,66 Cent als Lotteriesteuer ans Finanzamt. Betreiber von Zahlenlotto und Fußballtoto müssen darüber hinaus noch eine Konzessionsabgabe von 20 Prozent der Wetteinsätze zahlen. Die Einnahmen aus den staatlichen Klassenlotterien fließen vollständig an die Bundesländer. Für den Staat läppert sich das: 4,7 Milliarden Euro kassierte er im Jahr 2003 von deutschen Spielern – das ist doppelt so viel wie vor 15 Jahren. Den größten Batzen davon erhält Nordrhein-Westfalen mit 1,06 Milliarden Euro, weit abgeschlagen folgen Bayern mit 688 Millionen und Baden-Württemberg mit 671 Millionen. Die Einnahmen stammen heute zum größten Teil aus dem Zahlenlotto. Pferdewetten sind offenbar nicht mehr so gefragt: Seit 1995 hat sich das Aufkommen aus der Rennwettsteuer halbiert, heute bringt die Steuer auf Pferderennen nur noch 44 Millionen Euro im Jahr. mab