Hast du es gut!" – Diesen Satz hat Barbara Kaup schon öfter gehört auf den Fluren der Berliner Technischen Universität. Geraunt von Kollegen, die in die nächste Fachbereichssitzung schleichen oder ins Seminar hasten. Denn die Kognitionspsychologin muss nicht in Sitzungen gehen, und Seminare gibt Barbara Kaup nur so viele, wie es ihr Arbeitspensum als junge promovierte Forscherin zulässt. Und weit und breit ist kein Professor zu sehen, der ihr vorschreibt, was sie zu forschen und zu lehren hat.

Da können Nachwuchskollegen schon mal neidisch werden. Denn "besser kann man es in Deutschland nicht treffen", sagt Kaup. Sie wird gefördert durch das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG): Für vier Jahre leitet sie ihre eigene Forschergruppe mit selbst ausgesuchten Mitarbeitern; die Promotion ihrer Doktorandin betreut sie auch, stolz darauf, mit 34 Jahren wissenschaftlichen Nachwuchs heranzuziehen.

Bislang mussten junge Wissenschaftler immer auf eine lange, aufreibende Ochsentour in die wissenschaftliche Karriere. Nun befinden sich gut 500 Noetherianer auf dem Alternativpfad zu akademischen Weihen. "Die Nachwuchswissenschaftler sollen frühzeitig aus dem Schatten der Professoren heraustreten", sagt Beate Scholz, Programmdirektorin Wissenschaftlicher Nachwuchs bei der DFG.

Denn als die Forschungsgemeinschaft das Emmy-Noether-Programm 1999 auflegte, gab es für die Qualifikationsphase vor der Professur im Wesentlichen eines: die wissenschaftliche Assistenz. Die ist berüchtigt. "Man fühlt sich da oft wie ein Säugling", sagt einer resigniert; die Hürde der Doktorarbeit ist genommen, die ersten Publikationen verfasst, ein eigenes Forschungsprofil will sich bilden – doch die Hierarchie der Universität hängt den Jungwissenschaftlern wie Blei an den Schwingen: Jede Entscheidung hängt vom Professor ab; er stellt das Personal ein, verwaltet das Budget, wirbt Gelder für die Forschung ein, betreut Doktorarbeiten. Der Assistent dagegen assistiert, und in Seminaren, universitärer Selbstverwaltung und Forschungsarbeit für den Lehrstuhl geht die meiste Arbeitskraft drauf.

Zeit für die eigene Qualifikation bleibt da kaum. Das alles in einem Alter, in dem die Kollegen in den USA schon fleißig eigene Forschungsgruppen aufbauen. Die Folge: Ein universitärer Mittelbau, zu wenig selbst profiliert, schlecht vorbereitet auf Führungsaufgaben, zu lange damit beschäftigt, Ideen des Chefs umzusetzen.

Da erinnerte sich die DFG einer begabten jungen Mathematikerin, Mitbegründerin der modernen Algebra, die auch fast an den Urständen der deutschen Wissenschaft gescheitert wäre: Emmy Noether konnte sich 1915 in Göttingen nicht habilitieren – weil sie eine Frau war. Es herrschte Geschlechtertrennung, "wie in einer Badeanstalt", wie ihr berühmter Lehrer David Hilbert verständnislos bemerkte. Erst Jahre später konnte sie sich habilitieren und wurde dann als erste Frau in Deutschland Professorin.

Das Stipendium mit ihrem Namen ist für beide Geschlechter offen, aber es stellt sich einem Problem, das besonders Frauen betrifft: Kinder und Karriere zu verbinden. "Wenn ich will, kann ich in Teilzeit arbeiten", lobt die zweifache Mutter Barbara Kaup die Offenheit der DFG, während sie ihren Jüngsten in den Schlaf wiegt. Auch das ist neu in Deutschland, wo junge Wissenschaftlerinnen schon mal von ihrem Professor zu hören bekommen: "Was, schwanger? Na, dann können Sie das mit der Uni ja wohl vergessen."

Doch diese Vorteile haben ihren Preis. Die DFG verlangt Exzellenz. Und: Jugend. Dreißig Jahre alt darf man höchstens sein, muss eine hervorragende Promotion vorweisen und ein Forschungsprojekt präsentieren, das für sechs Jahre trägt: Dann könnte es sein, dass es mit der so genannten Phase I des Stipendiums klappt. Das bedeutet: zwei Jahre Ausland an einer Universität der Wahl; auf die Walz und "weg von der eigenen Alma Mater nach der Promotion", sagt die Programmdirektorin Beate Scholz dezidiert. "Das gehört bei Wissenschaftlern einfach dazu."