Juniorprofessoren haben wesentlich schlechtere Chancen auf eine akademische Karriere als die Emmy-Noether-Stipendiaten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) – das ist das Fazit einer aktuellen Umfrage der Jungen Akademie. Durch diese Befragung wird erstmals deutlich, dass bei Bewerbungen um Lehrstühle "die Juniorprofessoren in vielen Fällen nicht wettbewerbsfähig sind, die Emmy-Noether-Stipendiaten dagegen schon", wie Katharina Landfester, die Sprecherin der Jungen Akademie, erläutert. In der Jungen Akademie haben sich Nachwuchswissenschaftler der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Akademie Leopoldina zusammengeschlossen. Der Verbund hatte im vergangenen Jahr Aufsehen erregt, als er offen legte, wie schlecht die Juniorprofessoren ausgestattet und wie stark sie durch die Lehre belastet sind. Unter Federführung des Soziologen Jörg Rössel hat die Akademie nun die Situation der Noetherianer mit der Lage der Jungprofs unter verschiedenen Gesichtspunkten verglichen; fast überall schneiden die DFG-Stipendiaten besser ab als die Junioren.

Ausstattung:
Juniorprofessoren sind deutlich schlechter ausgestattet als Noether-Stipendiaten; 56 Prozent der Junioren in den Naturwissenschaften und sogar 89 Prozent in den Sozialwissenschaften haben keine wissenschaftlichen Mitarbeiter. Bei den Noetherianern sind es weniger als 4 Prozent. Auch beim Laborpersonal stehen die Noetherianer besser da. Ausgeglichen ist das Bild bei studentischen Hilfskräften. Die miese Ausstattung der Juniorprofessoren ist der wohl klarste Nachteil im Wettbewerb um die besten Jobs. "Wie soll sich jemand profilieren, wenn er nicht vernünftig arbeiten kann?", fragt Katharina Landfester. Das fragen sich auch die Juniorprofessoren: Nur die Hälfte von ihnen ist mit der eigenen Ausstattung zufrieden; unter den Noetherianern sind es 80 Prozent.

Lehre:
Emmy-Noether-Stipendiaten müssen wesentlich weniger lehren als Juniorprofessoren. Während vier von fünf Noetherianern in den Naturwissenschaften höchstens zwei Wochenstunden pro Semester unterrichten, stehen vier von fünf Jungprofs vier Stunden vor den Studenten. Das raubt den Junioren Zeit, sich in der Forschung zu profilieren.

Prüfungen:
Juniorprofessoren müssen weitaus mehr Prüfungen abnehmen als Noether-Stipendiaten. Die in sozialwissenschaftlichen Fächern tätigen Noetherianer sehen die Prüfungsbelastung etwa ausnahmslos als gering an; von den Juniorprofs teilen nur 14 Prozent diese Einschätzung.

Alter:
Im Schnitt sind die Noetherianer bei Amtsantritt ein Jahr jünger als die Juniorprofessoren; das Ziel, Jungakademikern eine schnellere Karriere zu ermöglichen, wird durch die rigiden Altersgrenzen im Noether-Programm besser erreicht.

Freiheit:
Die Emmy-Noether-Stipendiaten halten sich in Lehre und Forschung für etwas autonomer als die Juniorprofessoren. Außerdem ist ihr Forschungsbudget höher.

Stellenbesetzungen:
Wesentlich weniger Noether-Stipendiaten als Juniorprofessoren waren zuvor schon an derselben Universität tätig. Das beugt Seilschaften vor, die durch derlei Hausberufungen erhalten werden.

Internationalität:
Weder unter den Juniorprofessoren noch unter den Noetherianern gibt es sonderlich viele Ausländer. Das Ziel, deutsche Unis internationaler zu machen, wird mit beiden Programmen verfehlt.