Um den Börsengang der Postbank ist ein unwürdiges Gezerre entbrannt, bei dem es nur Verlierer gibt. Verlierer Nummer eins: der Kanzler. Spätestens seit März hat Gerhard Schröder gewusst, welch entscheidende Rolle die profitable Postbank bei der Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft spielen kann - und dass ihr Komplettverkauf vor einem Börsengang der beste Weg ist, einen nationalen Finanzchampion zu bilden. Dabei würde sich der Eigentümer der Postbank, die Post (und damit auch der Großaktionär Bund), nicht nur von 49,9 Prozent der Anteile trennen, sondern von allen Aktien - und dafür einen Paketzuschlag kassieren - der Käufer wiederum bekäme die volle Gestaltungsfreiheit. Trotzdem hat der Bund die Vorbereitungen für den Börsengang nicht stoppen lassen - um sich nun, kurz vor Beginn der Zeichnungsfrist, daran zu delektieren, wie sich potenzielle Interessenten um die blau-gelbe Bank balgen. Das ist peinlich.

Verlierer Nummer zwei: der Post-Chef. Ganz gleich, wie vehement Klaus Zumwinkel zuletzt für den Börsengang der Postbank warb - die entscheidenden Fäden hielt er nicht mehr in der Hand. Sein Ruf am Kapitalmarkt ist damit erst einmal beschädigt.

Verlierer Nummer drei: die Deutsche Bank. Es widerspricht den guten Sitten des Börsengeschäfts, ein Unternehmen erst als Konsortialführer aufs Parkett bringen zu wollen, um dann - auf dem Weg dorthin und nach dem gründlichen Check aller Unternehmensdaten - den Börsengang infrage zu stellen und stattdessen über den Kauf des Unternehmens zu beraten. So etwas ist mehr als nur ein potenzieller Interessenkonflikt. So etwas ist unerhört.

Dabei ist die Forderung des Kanzlers nach einer starken nationalen Bank durchaus berechtigt. Deutschland braucht wenigstens ein Finanzinstitut, das zu Hause profitabel wirtschaftet, europaweit mit anderen Banken auf Augenhöhe verhandeln kann und weltweit über Know-how verfügt. Ein nationaler Champion ist wichtig - für die Wirtschaft, wenn es darum geht, deutsche Firmen per Exportfinanzierung ins Ausland zu begleiten - für die Politik, wenn es um Rat in internationalen Finanzfragen geht. Jede große Industrienation hat heute solch eine Bank.

Hierzulande könnten diese Rolle am ehesten noch Deutsche, HypoVereinsbank oder Commerzbank ausfüllen - doch dazu braucht jedes dieser Institute die Postbank. Sie bringt fast 12 Millionen Kunden mit und arbeitet extrem kostengünstig - die Bilanz des Käufers wäre auf einen Schlag verbessert, der Börsenwert gestärkt.

Allerdings hat jede dieser Banken auch unterschiedliche Interessen - und deshalb darf die Postbank nicht an die Deutsche fallen. Das größte deutsche Geldhaus hat sich längst aus der Heimat verabschiedet und würde die satten Erträge der Postbank kurzfristig nur nutzen, um die steigenden Gehälter der eigenen Investmentbanker zu zahlen. Mittelfristig sucht die Deutsche Bank den Zusammenschluss mit einer internationalen Adresse. Auch das weiß der Kanzler.