Seit dieser Woche weiß man endlich, wie "die Innovation" aussieht: Sie ist ein kleines rotes Dreieck. Jedenfalls in der Vorstellung der SPD. Am Dienstag hat die Bundestagsfraktion einen Kongress unter dem Motto "Zeit für Innovationen" veranstaltet, den ganzen Tag lang lief auf einer Leinwand im Foyer eine Computeranimation als Endlosschleife: In einem großen Schwarm grauer Dreiecke schwimmt ein kleines rotes gegen den Strom. Es zappelt tapfer, es müht sich - und irgendwann wechseln die anderen tatsächlich die Farbe und drehen sich um 180 Grad. Dann zoomt die Kamera ins Unendliche, aus dem bildfüllenden Rot erhebt sich das Logo der SPD-Fraktion mit glänzendem Rand.

Wenn das doch so einfach wäre. Aber was ist schon einfach in der SPD? Das Jahr 2003 war es nicht, das Jahr 2004 sollte es wenigstens werden, weshalb es mit einer schönen Klausurtagung begann. Dort, in Weimar, beschloss man ein Papier mit dem Titel Weimarer Leitlinien Innovation - optimistisch sollte es jetzt weitergehen. Stattdessen ging es weiter mit Streitereien, Sozialkürzungen und Schröders Rücktritt vom SPD-Vorsitz.

Unverdrossen und von der Öffentlichkeit unbemerkt, bearbeitete die Bundestagsfraktion gleichwohl das Thema. Sie setzte eine AG ein, die zwei Unter-AGs bekam, denen wiederum ein knappes Dutzend Unter-Unter-AGs zuarbeitete. Endlos wurde getagt, jeder durfte sagen, was er unter Innovation versteht, damit am Ende alle für Innovationen sind. Papiere wurden geschrieben, die schon Anfang März zusammengefasst werden sollten in einem Innovationskonzept, woraus aber nichts wurde, weil die verschiedenen Teile, wie es heißt, einen "unterschiedlichen Reifegrad" gehabt hätten. Man tagte weiter.

Und lud schließlich zu einer Konferenz ein, um das I-Wort für die Sozialdemokratie zu reklamieren. Die Zutaten: ein Gebäude mit viel Glas und Stahl, zwei renommierte Professoren mit Power-Point-Präsentationen, eine Bühne mit grauem Teppich und Chromstühlen, auf der Vertreter der Partei, der Wirtschaft und der Gesellschaft zu Podiumsdiskussionen zusammensitzen, lautes Sprachgetöse von "Pionieraktivitäten", von "Impulsfeldern" und ganz viel von "Nachhaltigkeit". Dazu in der Mittagspause ein kaltes Buffet, zum Schluss eine schon des öfteren gehörte Kanzlerrede. Wie gewünscht wird Franz Müntefering gleich morgens von einer Kamerafront empfangen, als er den Saal betritt. Er sagt, dass das Land Bildungsinvestitionen brauche, dass dafür der Bruch des Stabilitätspakts nur halb so schlimm sei, und weil das ARD-Team etwas zu spät kommt, sagt er es gleich noch einmal.

Einen Tag lang ging es mal um nette Themen. Im Foyer an den Stehtischen blicken die Abgeordneten allerdings wieder nach vorn: auf die Steuerschätzung, die nächste Runde im Koalitionsstreit um die Zuwanderung, auf die Minister, die am Stuhl von Hans Eichel sägen - all das wird wieder unschöne Schlagzeilen geben. Die Innovation ist ein kleines rotes Dreieck. Es zappelt. Doch die graue Wirklichkeit ist stärker.