Das hätten wir geschafft. Wir haben Europa fett erweitert und lieben sogar die neue Amtssprache Maltesisch. Aber jetzt sind wir wieder dran. Wir Deutsche müssen wieder an uns denken, an Konsumlücke und Kaufangst. Wir denken an den Feind der Gesellschaft, den Nichtverbraucher, das Erbe von 68: Früher Wehrdienstverweigerer, heute Konsumverweigerer. Lieber Leser, Sie wollen kein Feind der Gesellschaft sein? Dann befolgen Sie bitte die Zehn Gebote des Konsums. Treten Sie vor den Spiegel, und sprechen Sie folgenden Satz dreimal laut und deutlich: "Was könnte ich noch brauchen, ohne es zu brauchen?" Fragen Sie dabei nicht, was der Konsum für Sie tun kann; fragen Sie lieber, was Sie für den Konsum tun können. Nun greifen Sie sich bitte an den Kopf und lockern die darunterliegende Konsumangst so lange, bis es im Unbewussten klingelt. Geschafft? Los geht’s, die Konsumprüfung kann beginnen. Als Faustregel wollen Sie sich bitte merken: Lebenswichtige Teile wie Flaschenöffner, Fernseher und Fernbedienung sollten in doppelter Ausführung vorhanden sein. Bei Gegenständen, die Sie selten in Gebrauch nehmen, reicht einfache Anwesenheit (Zahnbürste, Bücher, frische Socken). Für Anfänger gern noch ein Beispiel. Steht bei Ihnen ein Geländewagen mit Schießscharten gegen Wilderer in der Garage, obwohl sie weder Prärie noch Führerschein besitzen, genügt ein Exemplar zum Vorzeigen. Benötigen Sie jedoch Ihren steuerbefreiten Jeep, um Ihrer Schwiegermutter eine Ladung Kakteen anzuliefern, dann sollten Sie sich umgehend ein zweites Fahrzeug anschaffen, als Deckungsreserve nach Feindbeschuss. Was können Sie noch verbrauchen, ohne es zu brauchen? Ist Ihr Handtelefon älter als sechs Monate? Wenn ja: Schämen Sie sich. Ist Ihr Rasenmäher fit für die Zukunft? Hört er das Gras wachsen? Besitzt er eine Luftfederung mit Niveauregulierung und Einzelradaufhängung? Hat er Standheizung mit Satellitennavigation, Fußgängeraufprallschutz plus zeitgemäßer Einparkhilfe? Einen Tempomaten mit Staupiloten und Reifendrucksensor? Wenn nicht, entsorgen Sie ihn fachgerecht, und kaufen Sie einen neuen. Schon geschehen? Na, geht doch. Nun zu Ihrem Geschirrspüler. Besitzt er eine Klimaautomatik für die angenehme Temperierung des Bestecks? Einen wartungsfreien Partikelfilter gegen Müslireste? Eine Innenbeleuchtung mit Notstromaggregat? Existiert ein Airbag für herunterfallendes Porzellan? Nein, alles nicht an Bord? Dann beichten Sie es bitte dem Nachbarn. Okay, Test bestanden. Übrigens, wie fit ist eigentlich Ihr Lebenspartner? Finis