Festgeld und Fussball Elf Mann für ein paar ProzentSeite 2/2
„Menschen können Wahrscheinlichkeiten nur schlecht einschätzen, und die Banken nutzen das aus“, sagt Wirtschaftsrechtler Adams. Er plädiert dafür, Mischprodukte aus Glücksspiel und Geldanlage abzuschaffen, und die Fußballangebote der Banken gleich mit. „In meinen Augen ist das ein Fall für den Staatsanwalt oder den Gesetzgeber“, sagt er. Bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sieht man keinen Anlass einzuschreiten: Bei den Bonuszinsen handele es sich um eine Zusatzleistung, nicht um einen Gewinn. Dass die Behörden so lax agieren, ist nicht im Sinn des Gesetzgebers. „Die Beschränkungen des Glücksspielwesens sollen verhindern, dass der Spieltrieb der Menschen wirtschaftlich ausgenutzt wird“, sagt Johannes Dietlein, Juraprofessor an der Universität Düsseldorf.
Dass sich die Banken des Problems bewusst sind, zeigt der Fall der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Ursprünglich wollte sie die Zinshöhe des Mitte März emittierten GarantKick-Bond an den Erfolg des VfB Stuttgart koppeln. Doch im letzten Moment änderte die Landesbank ihr Konzept und machte die Zinsen vom Kurswert eines Aktienkorbes abhängig. Der VfB trat nur noch als Sponsor auf. „Beim GarantKick-Bond ging es um die Emotionalisierung des Produkts. Wir wollten das Risiko nicht eingehen, dass es als Glücksspiel aufgefasst werden könnte“, sagt ein LBBW-Sprecher. Das ist verständlich, denn bei illegalem Glücksspiel muss der Staatsanwalt auch ohne Strafanzeige aktiv werden. Die Landesbank ist bei diesem Thema vielleicht besonders sensibel, weil in der baden-württembergischen Landesregierung ein erklärter Gegner von Spielbanken und Lotterien sitzt. „Ministerpräsident Erwin Teufel hat eine fundamentale Abneigung gegen jede Art von Glücksspiel“, sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Claus Schmiedel, der auch im Verwaltungsrat der LBBW sitzt. Teufel hat sich in Sachen Glücksspiel schon oft quer gestellt. Er verhinderte, dass sich Baden-Württemberg an der neuen staatlichen Lotterie Keno beteiligt, und wandte sich gegen Lizenzen für Internet-Casinos.
Jemand wie Erwin Teufel würde wohl kaum in ein Festgeldkonto mit Glücksfaktor investieren. Wer es tut, macht aus Sicht von Michael Adams einen Fehler. „Mit diesen Produkten wird Hoffnung verkauft. Kein seriöser Investor würde sich darauf einlassen“, sagt er. Auch Günter Hörmann von der Hamburger Verbraucherzentrale warnt: „Ich kann nur sagen: Hände weg!“ Jeder Anleger müsse überlegen, ob ein Spar- oder Festgeldkonto mit Zufallszins sinnvoll sei. Die Stiftung Warentest dagegen beurteilt zumindest das Postbank Gewinn-Sparkonto positiv: Wenn man die Wahrscheinlichkeiten der Zinsboni berücksichtige, sei das Gewinn-Sparen für Anlagen ab 5000 Euro eine gute Alternative zum normalen Sparbuch. Verbraucherschützer Hörmann mag sich dennoch nicht dafür erwärmen. „Wenn der Löwenanteil der Rendite vom Zufall abhängt, muss man abraten.“ Dabei ist für viele Anleger gerade das Zufallselement der Reiz. „Wir bedienen hier natürlich auch das Bedürfnis nach einem abgesicherten Risiko“, sagt eine Sprecherin der Postbank. Ziel aller Produkte mit Glücksfaktor ist es, Marktanteile zu erobern. „Mit der BayernKarte gewinnen wir neue Kunden“, heißt es bei der HypoVereinsbank.
Das wollte wohl auch die Volkswagenbank mit ihrem WM-Sparplan. Der Zins sollte vom Erfolg der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der WM 2006 abhängen. Die VW-Bank hatte dabei eine Kleinigkeit übersehen. Die Bezeichnung „WM“ dürfe nicht für ein Bankprodukt benutzt werden, teilte der internationale Fußballverband Fifa mit. Die VW-Bank musste den WM-Sparplan vom Markt nehmen.
- Datum 13.05.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 13.05.2004 Nr.21
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