Sie haben für den Bundeselternrat ein Rechtsgutachten erstellt, das den Anspruch auf ungekürzten Unterricht bestätigt. Worauf stützen Sie sich dabei?

Bisher hat die Rechtsprechung die Staatsseite geschützt und es mit dem Recht auf unverkürzten Unterricht nach dem Muster der Witze von Radio Eriwan gehandhabt: "Im Prinzip ja, aber ..." Es ist nirgendwo eine erfolgreiche Klage durchgebracht worden. Die verbreitete Rechtsauffassung geht von einem hoheitsrechtlichen Verhältnis zwischen Schule und Schüler aus. Der Europäische Gerichtshof sagt dagegen, Lehrer seien nicht hoheitlich, sondern pädagogisch als Dienstleistende tätig. Bei einem Dienstleistungsverhältnis müssen die Schüler, aber auch der Staat Leistungen erbringen. Wenn etwas nicht klappt, muss - Umkehr der Beweislast - eben auch die Staatsseite beweisen: Wir haben alles geboten, die Schüler haben es nicht angenommen.

Hatten Sie noch weitere Impulse?

Ich sehe das Prinzip der Selbstbindung der Verwaltung verletzt. Wenn man Bildungsstandards formuliert, die die Qualität der Schule verbessern sollen, dann haben die hohe grundrechtliche Bedeutung und sind sie nicht nur Verwaltungsvorschriften, sondern Rechtssätze. Die können in vielen Bundesländern in Normenkontrollverfahren überprüft werden.

Was bedeutet das für die Ministerien?

Wenn sich herumspricht, dass ein Normenkontrollverfahren droht, werden sie zum Selbstschutz aus den bisherigen untauglichen Regelstandards Mindeststandards machen, und dann haben wir den qualitativen Sprung, den wir alle haben wollen.

Können Eltern mit Ihrem Gutachten unterm Arm vor Gericht ziehen?