Die Saison 2003/2004 hat Schalke 04 vergeigt, doch für Hoffnung ist es nie zu spät. Wie wäre es, wenn Gott die königsblauen Gebete erhörte? Und siehe, mit Rauschebart steigt er herab zu dem alten Fan am Kofferradio. ER hört die Bundesligakonferenz und steht am Spielfeldrand. ER begegnet dem Gespenst des Abstiegs und der Bestechlichkeit, fast ist ER verwundert, dass lahme Gelsenkirchener zu gehen beginnen, und lächelt, wenn das Supertalent Jojo Schrader, Olaf Thon ähnlich, in der 90. Minute den rettenden Treffer ins Netz jagt. Überhaupt wird im Musical nullvier - Keiner kommt an Gott vorbei der Ball flach gehalten. Der Verein hat das Stück beim Gelsenkirchener Musiktheater im Revier sich selbst zum 100. Geburtstag bestellt und sich eine überraschend kesse, dialogwitzige, von Matthias Davids quirlig inszenierte Satire eingefangen, deren Spott selbst Manager und Spielermütter nicht ausnimmt (Texte von Michael Klaus und Bernd Matzkowski). Natürlich darf Romantik nicht fehlen, Jojo hat nämlich eine Liebschaft, Louisa, die Cellistin. Bald kennt er nicht nur Bananenflanken, sondern auch Vivaldi.

Unterhalb dessen Spielklasse erweist sich Enjott Schneider als geschickter Stiljongleur zwischen Big-Band-Groove, Chorpolyphonie und Popsong. Der Anfeuerungshymnus Steht auf, wenn Ihr Schalker seid bleibt weiterhin von den Pet Shop Boys geborgt. Am Ende herrscht Seligkeit, und der Allmächtige kann den Alten in die Ewigkeit führen. Dort erwarten ihn Schalkes mythische Helden, allen voran Reinhard "Stan" Libuda, der mit seinen Dribblings - so die Legende, die dem Titel seinen Pfiff gibt - sogar an Gott vorbeigekommen wäre.