Film Hollywoods Troja
Wolfgang Petersen hat die "Ilias" verfilmt. Neues zum Streit der Wagen und Gesänge
Zorn, der entsetzliche, männerverdummende Zorn ist die Quelle, meinte der Dichter Homer, aus der Krieg und Verbrechen entspringen. Zorn ist das Stichwort, das schon zu Beginn seiner Ilias genannt wird, Zorn des Achill auf den Fürst Agamemnon. Voraus noch der Zorn, der Fürst Agamemnon zum Krieg gegen Troja trieb. Wieder voraus die dumme Geschichte mit Paris und Helena. Zorn über Zorn!
Ein wahrer Salat von beleidigten, wütenden, grollenden Kriegern. Kluger Homer! Es gibt Zorn noch genug auf der Welt und genauso Leute, die Zornesexzesse um jeden Preis angucken wollen.
Zorn, der erregende, Blut schön verspritzende Zorn ist seit alters Quelle auch Hollywoods. Wolfgang Petersen, weithin berühmter Filmeverfertiger, nahm als Achill jetzt den Schönling Brad Pitt mit seinem bekannt süßen Mäulchen, dem Stupsnäschen, ließ den geliebten Mädchenschwarm schmollend im Zelt sitzen. Nahm noch dazu jenen alten, hohlwangig schreckhaften Peter O'Toole für den Priamos. Weiter kürte er Miss Minnesota (so ungefähr wirkt sie) als seine Helena. Ließ es damit nicht genug sein. Er suchte und fand noch: Überall heiße Politparallelen zu unserer Jetztzeit.
Petersen filmte den Zorn des Achilleus getreulich, doch mehr noch zeigt er uns Agamemnons gefährliche Kriegslust, gespeist aus geopolitischem Größenwahn eines zum Schein nur Empörten, durchaus nicht unähnlich dem, was George Bush zum Irak-Abenteuer brachte. Die Amerikaner sind, wusste schon Kissinger, Griechen.
Übrigens werden Gefangene auch in dem Film hier gefoltert. Reichlich verdorbene Recken! Sie greifen nach Mädchenfleisch. Alles Heutige gab es schon damals, nur besser oft. Das ist die Lehre.
Manchmal jedoch geht der Wille zur Gegenwart eindrücklich baden. Blöd wirkt zumal diese Unheilsbraut Helena, wenn sie zerknirscht tut, wenn sie verschämt in die Kamera lächelt: Alles ist meine Schuld nur, ich weiß es ja, gebt mich zurück, dann ist Troja schnell wieder quitt mit den Griechen. So viel geheuchelte Naivität war selten im Kino, selbst Hektor verschlägt es die Sprache. Er lässt sie stehen, geht einfach weg, das versteht auch der letzte und dümmste Zuschauer.
Solcherart tritt in dem Film die Moderne mit ihrer Psychologie auf, ersetzt die hier früher mal tätigen Götter. Zeus und Poseidon bekommen von Petersen keinerlei Auftritt, war es zu teuer vielleicht oder nicht so erwünscht? Heute macht wohl niemand mehr Kasse mit göttlichen Wesen, nur in Gewalt und Volkspädagogik ist Musik drin. Nie wieder Krieg, das zieht immer.
- Datum 17.12.2007 - 08:03 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 21/2004
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