Könnte man die Kinderarbeit abschaffen, die Welt würde schlagartig reicher, und zwar um 4346,1 Milliarden Dollar. Das hat die ILO ausgerechnet, die Internationale Arbeitsorganisation, eine UN-Untergliederung, und der Genauigkeit halber weisen die Autoren darauf hin, dass die Zahl vielleicht nicht ganz exakt sei. Seltsamerweise soll dieses fabelhafte Renditeversprechen Teil eines Argumentes für das Verbot von Kinderarbeit sein - offenbar bestehen die Kinder, Familien und Staaten, die ohnedies so viel reicher wären, hartnäckig darauf, in ihrem Elend zu verharren.

Um sie alle zu ihrem Glück zu zwingen, hat die ILO jetzt in Florenz an die 250 Kinder aus aller Welt versammelt. Sie sollen, in den Worten der 15-jährigen Maura aus New York, "den Erwachsenen beweisen, dass Jugendliche die Weisheit haben, eine so tragische und schwierige Angelegenheit zu begreifen, und die nötige Ausdauer, für ihre Sache zu kämpfen".

Wie es sich trifft, fand in Berlin gerade ein Kongress zum selben Thema statt, der Weltkongress arbeitender Kinder, eine Initiative der Technischen Universität. Die jugendlichen Teilnehmer engagieren sich für ihre Arbeitnehmerrechte und gegen Sklaverei, Prostitution - und die ILO, durch deren Forderung nach einem Arbeitsverbot für Kinder sie sich in ihrer Existenz gefährdet sehen. Seit die Mädchen daheim nicht mehr in Textilfabriken arbeiten könnten, gingen viele auf den Strich, berichtete Master, ein Junge aus Bangladesh. Man wüsste gern, was Maura aus den USA dazu sagt, doch leider hatte die ILO es abgelehnt, Vertreter nach Berlin zu schicken.