"Dagegen ist es in unseren Tagen zum allgemeinen Gebrauch geworden, die Staatseinkünfte zu verpfänden und sich darauf zu verlassen, dass die Nachkommen die von ihren Vorfahren gemachten Schulden bezahlen werden. Und da diese Nachkommen an ihren weisen Vätern ein so treffliches Beispiel vor Augen haben, so verlassen sie sich mit derselben Klugheit wiederum auf ihre Nachkommenschaft, welche dann zuletzt mehr aus Notwendigkeit als aus freier Wahl gezwungen ist, dasselbe Vertrauen auf die späteren Geschlechter zu setzen…

Für einen Minister ist es sehr verführerisch, ein derartiges Mittel zu nutzen, das ihn in den Stand setzt, während seiner Verwaltung den großen Mann zu spielen, ohne das Volk mit Steuern zu überladen oder eine sofortige Unzufriedenheit gegen sich zu erregen. Die Praxis des Schuldenmachens wird daher fast unfehlbar von jeder Regierung missbraucht werden. Es würde kaum geringere Klugheit offenbaren, einem verschwenderischen Sohne bei jedem Bankgeschäft in London Kredit zu geben, als einen Staatsmann zu ermächtigen, in einer derartigen Weise Wechsel auf die Nachkommen zu geben…

Ich muss gestehen, dass sich durch die lange Gewöhnung in Betreff der Staatsschulden bei allen Klassen der Bevölkerung eine seltsame Sorglosigkeit eingeschlichen hat, derjenigen vergleichbar, welche, wie die Geistlichen so heftig klagen, den Religionslehren gegenüber herrscht. Wir aber hegen die Ansicht, dass die glühendste Einbildungskraft nicht erwarten darf, dass entweder das gegenwärtige oder irgendein zukünftiges Ministerium von einer so strengen und ausdauernden Sparsamkeit geleitet werde, als es erforderlich ist, um einen beträchtlichen Fortschritt in der Bezahlung unserer Schulden zu machen."

Aus: David Hume "Nationalökonomische Abhandlungen; 1741 und 1752"