Der flämische Antiquitäten- und Kunsthändler Axel Vervoordt ist ein König der Inszenierung. Selbst unscheinbare Dinge strahlen etwas Besonderes aus, wenn er sie in Zusammenhang rückt mit wertvollen Möbeln, Gemälden und kunstgewerblichen Objekten. Das kann man auf seinen Messeständen in Maastricht und Brüssel bewundern, noch besser allerdings in seinem Schloss Gravenwezel bei Antwerpen. Das mittelalterliche Kasteel mit der vorgebauten Barock-Fassade im derzeit blühenden Park mit Orangerie, Remisen und umgebauten Pferdeställen ist ideal für einen seiner so genannten House-Sales.

1975 hatte Sotheby's als einer der Ersten eine solche Vor-Ort-Versteigerung veranstaltet, damals mit der Sammlung der Markgrafen und Großherzöge von Baden. Nun veräußerte Vervoordt in Zusammenarbeit mit Christie's auf seinem Anwesen einen Teil seiner Sammlung.

Vervoordts zweitägiger House-Sale wollte gut vorbereitet sein, von den Wegweisern für die Anfahrt bis zum vor Ort fotografierten Katalog - Computerexperten verlegten eine technische Zentrale in das Verwaltungsgebäude des 80-köpfigen Familienunternehmens. Im Garten entstanden eine weiße Zeltanlage für die Versteigerung und eine charmante Gastronomie, in der man sich nach dem Rundgang in den Park schauend entspannen konnte. Wie mit dem Pinsel hingetupft wirkten weiße grasende Lämmchen auf dem satt grünen Rasen.

Das Private, Persönliche und der Blick hinter die Fassade eines so schönen Anwesens machen den besonderen Reiz von Hausversteigerungen aus und fördern, wie es scheint, die Bieterlaune. Stilvoll und vornehm ging es bei der Besichtigung zu in den Räumen mit knisterndem Kaminfeuer, knarzendem Parkett, raffiniertem Blumenschmuck und leise tröpfelnder klassischer Musik. Und von schweren vergoldeten Ledertapeten bis zu transparent wirkenden Murano-Leuchtern trat alles harmonisch in Konversation miteinander.

Schaupublikum hatte man mit dem Pflichtkauf des Kataloges für 50 Euro auf Abstand gehalten. Es kamen flämisch sprechende Interessenten und auch welche aus Paris und New York. Als einer der Ersten bot der amerikanische Modezar Calvin Klein auf 40 Objekte.

Dass Verwoordt sich von etwa 1000 Pretiosen - von den Bibliotheken bis hin zu einer Kollektion winziger perlenbestickter Etuis für Visitenkarten aus dem 18. Jahrhundert - trennen möchte, ist angesichts der bis unter die Decke voll gestopften vier Etagen des Schlosses nachvollziehbar. Der eigentliche Anlass der Auktion, deren Erlös auf drei Millionen Euro geschätzt wird, sind aber die Pläne der im Geschäft tätigen Söhne, die auf dem so genannten Kanaal-Areal den Bau von Büroraum und Lofts planen.

Unangetastet vom Verkauf bleibt das weiße Esszimmer mit den zahllosen kleinen Wandkonsolen und dem blau-weißen Porzellan. Auch die raffiniert aus alten Teilen zusammengesetzte Küche mit dem innen türkis bemalten Barockschrank steht nicht zur Disposition - der eine oder andere Silbergegenstand daraus aber schon.