Julius Cäsar wäre vermutlich ein guter Pilot gewesen. Jedenfalls, was seine kommunikativen Fähigkeiten betraf. Knapp, einfach und präzise berichtete der Feldherr in Rom von seinem Sieg über das Bosporanische Reich: "Veni, vidi, vici."

Solche Kürze und Würze kann Leben retten. In der Flugzeugkanzel, im Operationssaal oder in den Kontrollräumen von AKWs müssen Menschen besonders gut kooperieren, um nicht in Katastrophen zu schlittern. Kommunikatives Wissen ist oft wichtiger als technisches. Nicht die Schnittstelle Mensch/Maschine versage, sondern "die Schnittstelle Mensch/Mensch", sagt der Luftfahrtspsychologe Reiner Kemmler von der Lufthansa. Einer Studie seiner Firma zufolge ist über die Hälfte der Zwischenfälle im Luftfahrtbereich auf schlechte Zusammenarbeit zurückzuführen. Andere Untersuchungen kommen sogar auf 70 Prozent.

"Intersoziale Defizite sind ein Turbofaktor für andere Fehler", sagt der Pilotentrainer Werner Naef von der Air New Zealand. Klappt die Verständigung im Cockpit nicht, steigt die Zahl kognitiver Fehler rapide an. Plötzlich wird links und rechts verwechselt, und die Crew ist so mit sich selbst beschäftigt, dass sie nicht mehr angemessen auf Defekte oder schwieriges Wetter reagieren kann.

Daher gilt: Je besser das Team, desto sicherer die Welt. Unter diesem Motto hat das von der Daimler-Benz-Stiftung finanzierte Forschungskolleg GIHRE (Gruppeninteraktion an hochriskanten Arbeitsplätzen) soeben mit der Swiss Re ein Weißbuch für verbesserte Kommunikation vorgestellt. Fünf Jahre waren Psychologen und Linguisten in Berlin, Zürich und Austin, Texas, mit Risiko-Experten den Fragen nachgegangen: Warum scheitert Teamarbeit unter Stress? Was ist dagegen zu tun?

Bereits eine cäsarische Wortwahl kann helfen, wie der Psychologe Robert Helmreich aus Austin herausfand: Je kürzer die verwendeten Wörter, desto besser die Teamleistung. Wer lange Wörter bildet, belastet das Arbeitsgedächtnis aller, und schon steigt die Fehlerrate. " Speak simply!" ist daher eine der 20 Daumenregeln der Experten.

Anlass für das GIHRE-Projekt war 1996 das Desaster der Birgenair-Maschine kurz nach dem Start in der Dominikanischen Republik. "Hier ist in einer schwierigen Situation irgendwann die Kommunikation auseinander gebrochen", erzählt der Psycholinguist Rainer Dietrich. Nach einer langen Reihe technischer Schwierigkeiten, Fehlentscheidungen und unter dem Tuten von Alarmsignalen konnten sich die Piloten nicht mehr verständigen, ob sie bremsen oder durchstarten sollten. Der Flieger stürzte mit 189 Passagieren ins Meer.

Fragen mit W sind gefährlich

Als Auslöser solcher Pannen vermutete Dietrich den bottleneck- Effekt der menschlichen Kommunikation. Wir können zwar gleichzeitig sehen, hören, gehen und sprechen, aber eine bestimmte Gruppe zentraler Prozesse schließt sich gegenseitig aus, passt also nicht gleichzeitig durch den "Flaschenhals" der kognitiven Aufnahmekapazität.