Außenminister Joseph Fischer, Exponent in der rot-grünen Regierungskoalition für eine Lockerung des Sparkurses, ficht auch im Interesse seines Ressorts für eine großzügigere Finanzpolitik. In einem Brief an Bundesfinanzminister Hans Eichel - mit Kopien an Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, Entwicklungshilfeministerin Heidi Wieczorek-Zeul und den Chef des Kanzleramts, Frank Steinmeier - versuchte Fischer, beim Kassenchef zusätzliches Geld für den Schuldenerlass für einige hoch verschuldete Länder in der Dritten Welt lockerzumachen.

Die vor fünf Jahren auf dem Kölner Weltwirtschaftsgipfel beschlossene Entschuldungsinitiative, schrieb Fischer, sei "die wichtigste Maßnahme der G8 zur gerechten Gestaltung der Globalisierung und zur Unterstützung der ärmsten Staaten". Es bleibe jedoch noch viel zu tun. Als Kandidaten für seine Schuldenstreichungen nannte der Außenminister den Sudan, Somalia und "andere Länder, für die ohne einen Ausweg aus untragbarer Verschuldung auch kein Ende von Konflikten, Diktatur oder Chaos möglich sein wird". Auch in Fällen wie dem Irak und Afghanistan sei eine "weitgehende Entschuldung unumgänglich".

Bisher hat Berlin für den Schuldenerlass bilateral zwei Milliarden Euro eingesetzt und weitere 330 Millionen Euro für die multilaterale Hilfe bereitgestellt. Mit seinen Wünschen sprengt Fischer den bisher von der Bundesregierung beschlossenen Finanzrahmen.