Eine der großen ökonomischen Modernisierungen des alten Europa war die "doppelte Buchführung". In deren System wird jeder Geschäftsvorfall unter zwei Gesichtspunkten verzeichnet - einmal unter dem Aspekt der Herkunft der Mittel, sodann unter dem ihrer Verwendung. Sofort sieht man die intime Verbindung zum Artikel 21 unseres Grundgesetzes, wo es über unsere politischen Parteien heißt: "Sie müssen über die Herkunft(!) und Verwendung(!) ihrer Mittel öffentlich Rechenschaft geben."

Aber die Kommission zur Reform der Parteienfinanzierung muss selbst in ihrem Schlussbericht die Einführung der doppelten Buchführung im Rechnungswesen der Parteien anmahnen. Die Parteien, die immerhin den Anspruch erheben, unser Land ökonomisch zu modernisieren, sagen schlicht: Dies ist uns zu kompliziert. Dabei ist nichts einfacher als das. Man muss sich nur von der Vorstellung lösen, dass die Spalte "Soll" Schulden verzeichne, die Spalte "Haben" hingegen Vermögen. In Wirklichkeit heißt "Soll" nur linke Spalte, "Haben" rechte Spalte - also als Eselsbrücke für Schatzmeister: Die SPD ist demnach eine Soll-, die CDU eine Haben-Partei.

Vor allem aber: Diese transparente Form der Buchführung ist unendlich viel einfacher als jene andere doppelte Buchführung, in der unsere Parteien über die Jahrzehnte doch geradezu eine Meisterschaft entwickelt haben. Entweder entschließen sie sich also bald zu Soll und Haben, oder es geht immer weiter mit Schuld und Sühne.