Die dritte DimensionSeite 2/2

Da Discounter aber gerade in solchen Phasen für eine attraktive Performance sorgen, in denen sich am Aktienmarkt, über längere Zeit betrachtet, per Saldo überhaupt nichts tut oder es sogar zu leichten Verlusten kommt, eignen sie sich hervorragend zur Verbesserung der Portfoliostruktur, wie Werner Humpert von UBS erläutert. „Neben Aktien und Anleihen kann man Discount- und Rolling-Discount-Zertifikate so auch getrost als dritte Wertpapierklasse bezeichnen, die in keinem ausgewogenen Depot fehlen sollte.“

Was zunächst abstrakt klingt, lässt sich mit einem Zahlenbeispiel aus der Vergangenheit verdeutlichen: Viele Anleger halten eine Wertpapieraufteilung von 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen für sinnvoll. Ein derart strukturiertes Portfolio hätte in den vergangenen neun Jahren – also einem Zeitraum, der sowohl von steigenden (bis Anfang 2000) als auch stark fallenden Aktienkursen geprägt war – eine jährliche Rendite von durchschnittlich 7,8 Prozent erwirtschaftet.

Durch Reduzierung des Aktienanteils auf 30 Prozent und des Rentenanteils auf 40 Prozent hätte sich bei gleichzeitiger Aufnahme von Rolling-Discount-Zertifikaten (30 Prozent) die durchschnittliche Jahresrendite jedoch um 2,2 Prozentpunkte erhöht. Gleichzeitig wäre das Risiko des Depots, ausgedrückt durch die durchschnittliche jährliche Schwankung, deutlich gesunken.

Mix it, Baby!

„Selbst das Risiko von Bundesanleihen, nach Ansicht vieler Wertpapiersparer die sicherste Anlageform überhaupt, lässt sich durch Beimischung konservativer Rolling-Discount-Zertifikate weiter reduzieren“, so Florian Brechtel, Derivateexperte bei der Deutschen Bank. Gerade bei dem aktuell sehr niedrigen Zinsniveau stellt nämlich das Zinsänderungsrisiko für Investoren, die ihre Anleihen nicht bis zur Endfälligkeit halten wollen, erhebliches Gefahrenpotenzial dar. Steigen die Zinsen, kommt es bei Rentenpapieren zwangsläufig zu Kursverlusten.

Wie vergangenheitsorientierte Berechnungen zeigen, hätten konservative Rolling-Discount-Zertifikate historisch eine ähnliche Rendite wie Bundesanleihen erbracht, jedoch zu unterschiedlichen Zeitpunkten, wie Brechtel sagt. Dazu ergänzt Humpert, dass sich vielfach sogar ein negativer Zusammenhang zwischen der Kursentwicklung beider Anlageformen feststellen lässt. „In Zeiträumen, in denen festverzinsliche Wertpapiere besonders gut abschnitten, wie beispielsweise 2002, entwickelten sich die Zertifikate unterdurchschnittlich. In Jahren, in denen Bundesanleihen wenig Rendite brachten (zum Beispiel 1999 und 2003), schafften die rollierenden Derivate ein überdurchschnittliches Ergebnis. Durch Mischung beider Anlageklassen kann bei gleicher Renditeerwartung somit eine deutlich erhöhte Wertstabilität des Anlagevermögens erreicht werden.“

Unerfahrenen Investoren rät Kleine allerdings, vor dem ersten Engagement unbedingt fachkundigen Rat einzuholen. „Niemand sollte in Wertpapiere investieren, deren Funktionsweise und Verlustpotenzial er nicht hundertprozentig nachvollziehen beziehungsweise abschätzen kann.“

 
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