In der Frankfurter Zertifikatebranche herrscht helle Aufregung. Eine frische Studie der Universität Münster behauptet, dass die Ausgabepreise für Zertifikate mitunter erheblich über ihrem fairen Wert liegen. Wer solche Papiere erwerbe, zahle dafür zum Teil satte verborgene Prämien: im Durchschnitt fast vier Prozent. Vor diesem Hintergrund urteilen Pavel Stoimenov und Sascha Wilkens, die Autoren der Studie, dass "der Markt für strukturierte Produkte noch sehr attraktiv für die Emittenten ist". Von mehreren Zertifikateanbietern werden die Ergebnisse der Studie angezweifelt. Die Ausarbeitung sei nicht repräsentativ und wissenschaftlich mehr als fragwürdig. Anbieter, die besser abschneiden, hören sich weniger kritisch an. "In der Studie kommt die unterschiedliche Qualität des Risikomanagements zum Ausdruck", sagt Holger Bosse, Experte der Dresdner Bank. Immerhin: Die Kosten von Zertifikaten sind ein Thema. Die sorgfältig gehegte Mär, Zertifikate seien im Vergleich zu Fonds unschlagbar günstig, kann nicht mehr erzählt werden.

Genau wie bei Investmentfonds fallen auch bei Zertifikaten zum Teil erhebliche offene und verborgene Kosten an. Die Faustformel lautet bei Zertifikaten wie bei Fonds: Je komplizierter ein Produkt, desto höher in der Regel die Kosten.

Eine eindeutige Antwort, ob Fonds oder Zertifikate kostengünstiger sind, gibt es nicht. Allerdings lassen sich ähnlich ausgerichtete Produkte miteinander vergleichen. Als preiswerte Produkte erweisen sich Index-Zertifikate auf den Deutschen Aktienindex (Dax), die von vielen Emittenten inzwischen mit unbegrenzter Laufzeit angeboten werden. Da der Dax als so genannter Performance-Index die Dividenden der dem Index zugrunde liegenden Aktien enthält, gehen die Ausschüttungen nicht verloren. Hinzu kommen sehr enge so genannte Spreads, das heißt eine geringe Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs, sowohl bei Transaktionen über die Börse als auch beim Erwerb über den Emittenten selbst. Einmalige Ausgabeaufschläge oder jährliche Managementgebühren fallen bei dieser Art Zertifikat nicht an. Insofern kann von der Kostenseite her kaum ein Fonds mit einem Dax-Zertifikat konkurrieren. "An diesem Produkt verdienen wir gar nichts", sagt Heiko Weyand von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Dennoch haben fast alle großen Emittenten Dax-Zertifikate als Einstiegsprodukt im Angebot.

Anders stellt sich die Situation bei Index-Zertifikaten auf den Euro Stoxx 50 dar. Mehrere Adressen wie etwa die UBS bieten zunächst kostengünstig erscheinende "Open-End-Zertifikate" auf den Aktienindex Eurolands an. Dabei handelt es sich beim Euro Stoxx 50 eben um einen reinen Kursindex – Dividendenzahlungen werden nicht berücksichtigt. Der Anleger verzichtet bei diesem Produkt auf die Dividendenrendite, immerhin 2,6 Prozent allein in diesem Jahr. Möchte der Anleger wie beim Dax auch beim Euro Stoxx 50 die Dividende einstreichen, muss er ein Zertifikat auf den Stoxx 50 Total Return kaufen. Bei diesem Produkt berechnet die UBS aber eine vierteljährliche Verwaltungsgebühr von 0,1 Prozent. Dies entspricht in etwa auch den Kosten des von Indexchange angebotenen Index-Fonds auf den Euro Stoxx 50, dem ebenfalls die Dividenden zufließen. Die Managementgebühr beträgt bei dem vergleichbaren Fondsprodukt 0,4 Prozent. Beim Kauf über die Börse bietet der Index-Fonds zudem auch sehr enge Spreads. Da – im Gegensatz zum Fonds – bei Zertifikaten stets ein Emittentenrisiko besteht, sollten Anleger beim Euro Stoxx den Index-Fonds bevorzugen.

Verborgene Kosten

Bei etlichen komplexeren Produkten benutzen Finanzingenieure den Verzicht auf die Dividende dazu, um Zertifikate mit einem bestimmten Zusatznutzen zu kreieren. Das ist auch durchaus legitim. Nur muss der Anleger sich stets vor Augen halten, dass die Dividende langfristig einen wesentlicher Performance-Bestandteil von Aktien und Aktienindizes darstellt. Bei Unklarheiten sollte ein Investor daher auf jeden Fall abklären, inwieweit ein bestimmtes Zertifikat Dividenden beinhaltet oder nicht.

Komplexere Zertifikate weisen ähnlich wie Fonds sofort zu entrichtende Ausgabeaufschläge auf, die unmittelbar die Performance schmälern. Mit meist ein bis zwei Prozent liegen diese Aufschläge bei Zertifikaten, immerhin wesentlich niedriger als bei Aktienfonds, die in der Regel drei bis sechs Prozent verlangen. Bei speziellen Strategiezertifikaten, die vom Emissionshaus eine gewisse Entwicklungsarbeit verlangen, fallen fast immer laufende Verwaltungs- oder Managementgebühren an. Beim Zertifikat Merrill Lynch German Top Twelve Total Return Index sind dies beispielsweise ein Prozent im Jahr. Dafür sucht Merrill Lynch halbjährlich die zwölf Dax-Werte mit der höchsten Dividendenrendite aus und passt die Zusammensetzung des Zertifikates an diese Auswahl an. In diesem Fall erhebt Merrill Lynch zwar keinen Ausgabeaufschlag, doch heißt es in der Broschüre zum Produkt: "Es liegt jedoch im Ermessen der Hausbank, eine Transaktionsprovision – meist in Höhe von ein Prozent – zu erheben." Egal, ob Ausgabeaufschlag oder Transaktionsprovision, beides sind Kosten, die das Anlageergebnis mindern.

Ähnlich wie Strategiezertifikate haben allerdings auch aktive gemanagte Fonds ihren Preis. So weist beispielsweise der Fonds DWS Top Dividende, der zumindest grob mit dem Merrill-Zertifikat verglichen werden kann, eine jährliche Kostenpauschale von 1,2 Prozent auf. Darüber hinaus sind bei Erwerb dieses Aktienfonds satte 5 Prozent Ausgabeaufschlag fällig. Allerdings fahren viele Fondssparer günstiger, indem sie via Internet zu reduziertem Aufschlag kaufen oder über den Ausgabeaufschlag mit ihrer Hausbank verhandeln.