Wenn der Charme der Zertifikate ihre Innovationskraft ist, dann ist die Intransparenz die hässliche Seite. Der Anleger muss allzu oft den Angaben, Preisen und Ideen der Anbieter blind vertrauen. Doch gerade in der Finanzindustrie gilt das alte Sprichwort: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Bei manchen angebotenen Papieren stellt sich zudem die Frage, ob sie irgendjemand wirklich braucht.

Zu den eher fragwürdigen Zertifikaten zählen viele Aktienkorb-Zertifikate, die auf eine Mischung aus besonders attraktiven Aktien setzen und oft als kostengünstige Alternative zu Aktienfonds angeboten werden. Doch der Vergleich hinkt, denn im Vergleich zu Fonds bieten Aktienkorb-Zertifikate allenfalls ein Schmalspur-Management. Während selbst Branchenfonds oft in fünfzig oder noch mehr unterschiedliche Aktien investieren und die Zusammensetzung täglich überprüft wird, beschränken sich die Designer der Zertifikate meist auf wenige Einzeltitel, und auch die Anpassung des Aktienkorbs findet keinesfalls börsentäglich statt.

So besteht beispielsweise das Wassertechnik-Active-Zertifikat der WestLB aus nur zehn Aktientiteln, und der Austausch der Werte findet nur an zwei festen Terminen im Jahr statt. Dennoch kassiert die Bank eine "Strukturierungsgebühr" von einem Prozent pro Jahr – das ist kaum weniger als die Verwaltungsgebühr eines Aktienfonds. Noch dreister kassiert das französische Institut Société Générale bei den Asian Semiconductor Tigers: Dort werden 1,25 Prozent pro Jahr als Gebühren berechnet, obwohl der Aktienkorb unverändert bleibt. Solche Gebührensätze hält Dietmar Vogelsang für völlig überzogen. "Wenn die Überwachung des Portfolios nur sporadisch erfolgt, ist eine fondsähnliche Verwaltungsgebühr in keiner Weise gerechtfertigt", sagt der vereidigte Sachverständige für Kapitalanlage.

Wenig Handel, hohe Kosten

Gerade bei exotischen Aktienkorbzertifikaten kommt aufgrund des oftmals minimalen Handelsvolumens eine weitere Kostenfalle hinzu. Je träger der Handel, umso größer wird die Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs, im Börsenjargon "Spread" genannt. Bekommt beispielsweise ein Anleger für ein Zertifikat beim Kauf 101 Euro berechnet, während der Verkäufer auf der Gegenseite zum gleichen Zeitpunkt nur 100 Euro erhält – dann liegt der Spread bei einem Prozent. Bei Exoten klafft die Spanne oft deutlich weiter auseinander. So ist beim wenig gehandelten European-Automobile-Basket-Zertifikat von Goldman Sachs ein Spread von mehr als 3,5 Prozent keine Seltenheit. Wer früh am Tag handelt, zahlt beim Blue-Diamond-Aktienkorb-Zertifikat von Credit Suisse First Boston einen Spread von drei Prozent. Erst mit Öffnung des US-Börsenhandels um 15.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit sinkt die Spanne auf ein Prozent. Zu den Spread-Spitzenreitern zählt das Indian-High-Tech-Zertifikat der Société Générale, dessen Spanne öfter die 4-Prozent-Grenze knackt.

Immerhin bleibt den Besitzern von Aktienkorb-Zertifikaten ein Trost: Sie können nämlich ausrechnen, ob das Papier sein Geld wert ist. Anhand der enthaltenen Aktien, ihrer Gewichtung und deren aktuellen Kurses lässt sich ermitteln, ob der Kurswert des Zertifikates demjenigen der abgebildeten Einzeltitel entspricht. Die Indexformel steht im Prospekt. Wer komplizierte Rechnungen nicht scheut und die nötige Muße mitbringt, kann überprüfen, ob er fair behandelt wird. Der Rechenweg ist zwar umständlich, aber wenigstens möglich.

Völlig im Dunkeln tappen hingegen diejenigen, die in Zertifikate auf Hedge Fonds investieren. Die Ermittlung des tagesaktuellen Gegenwertes – in der Fachsprache Nettoinventarwert genannt – ist hier nämlich nicht möglich. Der Grund: Die Manager der Hedge Fonds schließen ihre Spekulationen im Verborgenen ab und informieren ihre Investoren erst im Nachhinein, ob das Geschäft geglückt ist oder nicht. Je nach Fonds wird der reale Gegenwert meist nur einmal pro Monat oder Quartal veröffentlicht. Damit stellt sich für die Herausgeber der Hedge-Fonds-Zertifikate das Problem, dass sie den Wert ihrer Papiere die meiste Zeit nur grob abschätzen können. Überdies sind die Fonds zumeist in den USA oder in Steuerparadiesen wie den Cayman-Inseln oder den Bahamas ansässig, wo sie sich jeglicher Kontrolle durch bundesdeutsche Aufsichtsorgane entziehen.

Preise werden nur geschätzt